Vier Branchen besonders betroffen

Extremwetter treibt Krankmeldungen nach oben


05.06.2026 – 14:38 UhrLesedauer: 2 Min.

Schwitzen im Home Office: Hitzewellen führen bei den Firmen zu vielen Fehltagen. (Quelle: IMAGO / Wolfgang Maria Weber/imago)

Der Sommer ist da – und mit ihm die Aussicht auf hohe Temperaturen. Eine neue Studie zeigt nun, warum lange Hitzewellen viele Unternehmen teuer zu stehen kommen.

Während ein heißer Tag bei vielen Menschen für Freude sorgt, dürften Arbeitgeber Hitzetage eher mit Sorge betrachten. Denn sobald das Thermometer die 30-Grad-Marke überspringt, steigen in den Firmen die Krankmeldungen. Das zeigt eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung auf Basis von Abrechnungsdaten von rund 9,7 Millionen AOK-Versicherten.

Der Studie zufolge führt bereits schon ein einzelner Hitzetag zu einem Anstieg der Krankmeldungen um 3,5 Prozent. Je länger die Hitzebelastung anhält, desto mehr Angestellte melden sich nicht arbeitsfähig. So beträgt der Anstieg der Krankmeldungen am dritten aufeinanderfolgenden Hitzetag bereits 5,0 Prozent. Nach sieben Hitzetagen verdreifacht er sich schließlich auf etwa 10,8 Prozent.

Drei Tage Hitze kosten über 30 Millionen Euro

Da die Firmen im Krankheitsfall weiter den Lohn ihrer Mitarbeiter zahlen müssen, entstehen ihnen hohe Kosten. Die Studienautoren bezifferten den wirtschaftlichen Schaden einer dreitägigen Hitzewelle auf rund 32 Millionen Euro. Hinzu kommen weitere negative, jedoch schwer bezifferbare Effekte. Dazu gehört etwa die geringere Produktivität der Arbeitnehmer, die trotz Hitze am Arbeitsplatz erschienen.

Eine Hitzewelle hat zudem offenbar auch Langzeiteffekte. So registrierten die Forscher nach einer mindestens drei Tage dauernden Hitzewelle auch in den folgenden vier Jahren gestiegene Ausgaben für Arbeitsausfälle. „Die Langzeit-Analyse auf Basis der AOK-Daten belegt damit, dass sich Hitzewellen auch längerfristig negativ auf die Gesundheit der Beschäftigten auswirken“, betonte Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands.

Nicht jeder Beruf gleichermaßen betroffen

Allerdings zeigt die Analyse auch, dass nicht alle Berufsgruppen gleichermaßen gesundheitlich unter der Hitze leiden. Unter den insgesamt 36 betrachteten Berufsgruppen stellten die Forscher das höchste Risiko für hitzebedingte Arbeitsausfälle vor allem in den folgenden Branchen fest:

  • Transport und Logistik
  • Fertigung
  • Landwirtschaft
  • Bauwesen

Das alles sind körperlich anstrengende Berufe, mit viel Arbeit im Freien, nur geringen Möglichkeiten zur flexiblen Anpassung der Arbeitszeiten sowie mit geringem Einkommen. „Das unterstreicht, dass Hitze ohnehin benachteiligte Bevölkerungsgruppen auch in der Arbeitswelt am stärksten beeinträchtigt“, so Studienautorin Hannah Heiliger.

Am wenigsten betroffen waren hingegen Beschäftigte in der Informationstechnologie, im Bildungsbereich sowie im Rechts- und Verwaltungswesen. Allerdings steigen auch in diesen Berufsgruppen bei Hitze die Krankmeldungen.

Was Arbeitgeber machen können

AOK-Vorsitzende Reimann betonte die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen in den Firmen, wie kühlere Arbeitsräume oder mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten. In Richtung Politik forderte sie Entwicklung, Umsetzung und Anpassung von Hitzeaktionsplänen.

Hitzeperioden werden auch in Deutschland zu einem immer größeren Problem. In Deutschland hat sich die Zahl der Hitzetage nach Angaben des Versichererverbands GDV im Vergleich zu den 1950er-Jahren fast verdreifacht. Im vergangenen Jahr gab es laut Umweltbundesamt gemittelt über die Fläche Deutschlands insgesamt 11,1 Tage mit Temperaturen über 30 Grad. Rekordjahr ist bislang 2018 mit 20 Hitzetagen.

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