Wieder ein Milliardenverlust, und schuld scheint vor allem Porsche zu sein. Doch Volkswagen scheitert nicht an einer Tochter, sondern an der eigenen Machtstruktur.
Volkswagen ist im dritten Quartal 2026 tief in die roten Zahlen gerutscht. Von Juli bis September hat der Konzern ein Minus von 5,82 Milliarden Euro gemacht, schon im Vorjahreszeitraum stand unter dem Strich ein Verlust von gut einer Milliarde Euro. Es wäre bequem, die Schuld dafür allein Porsche zuzuschreiben. 6,4 Milliarden Euro musste Volkswagen im dritten Quartal auf seine Sportwagentochter abschreiben, weil der Konzern ihr künftig deutlich weniger Gewinn zutraut.
Doch Porsche ist nicht die Ursache für die Krise, sondern nur ihr Symptom mit dem teuersten Preisschild. Die Probleme der einstigen Gewinnperle – der Einbruch in China, die US-Zölle, der Schlingerkurs beim E-Antrieb – plagen auch die anderen Töchter des Konzerns. Die Ursache liegt bei VW selbst: In diesem Konzern gibt es keine klare Führung.
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Vier Lager, keine Richtung
Die Machtarchitektur des Konzerns ist zu komplex: Die Familien Porsche und Piëch halten über ihre Holding zwar die Mehrheit der Stimmrechte. Daneben steht aber das Land Niedersachsen, das dank des VW-Gesetzes über eine Sperrminorität verfügt, und schließlich gibt es noch Katar, den drittgrößten Anteilseigner. Im Aufsichtsrat kommen Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen zusammen auf zwölf von 20 Stimmen. So hat der Konzerntanker vier Kapitäne: Jeder kann das Ruder blockieren, keiner kann allein den Kurs ändern.
Ein Beispiel ist der Fall Oliver Blume. Die Eigentümer ließen den Konzernchef viel zu lange Volkswagen und Porsche in Personalunion führen, obwohl die Kritik ohrenbetäubend war. Das war ein schweres Versäumnis: In diese Zeit fallen viele der heute so kostspieligen Fehlentscheidungen bei Porsche. Die 6,4 Milliarden Euro, die VW jetzt abschreiben muss, sind die Quittung.
Zu viele Modelle
Während VW also langsam ohne klaren Kurs vor sich hintuckert, wird das Leck im Rumpf immer größer: Die sinkenden Verkaufszahlen sind eine Folge der Führungsschwäche. Wer nicht weiß, wohin er steuert, baut Autos für niemanden: VW bietet zu viele Modelle in zu vielen Varianten an, und zu wenige davon überzeugen. Von Juli bis September verkaufte der Konzern 1,89 Millionen Fahrzeuge, 14,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In China, wo in diesem Jahr eine Modelloffensive die Wende bringen sollte, brachen die Verkäufe um fast 40 Prozent ein.
Entsprechend mager ist die Rendite: Nach neun Monaten blieben bereinigt nur 3,8 Prozent des Umsatzes als operativer Gewinn, für das Gesamtjahr erwartet VW höchstens noch ein Prozent statt der einst angepeilten 4,0 bis 5,5 Prozent. Das ist umso heikler, weil der Konzern gerade Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe beschlossen hat. Dass dieser Gewinn zu wenig ist, um kraftvoll in die Zukunft zu investieren, räumt selbst der Finanzchef ein.
