Wir waren auf einem guten Weg, und dann sind wir an irgendeiner Kreuzung in den Acker abgebogen. Es ist so absurd, dass es fast schon wieder lustig ist. Body Positivity, also die Akzeptanz und Wertschätzung aller Körper, war ein Trend. Jetzt merkt man: Je radikaler eine Gesellschaft wird, desto feindseliger ist sie gegenüber jeder Form von Andersartigkeit.

Woran machen Sie das fest?

Wir erleben aktuell einen Anstieg von Frauenhass und jeder Form von Körperdiskriminierung, vor allem, was Hass gegen Übergewichtige angeht. Diese Menschen scheinen vogelfrei zu sein. Das ist ein systematisches, strukturelles Problem, das in den vergangenen zwei Jahren eklatant schlimmer geworden ist. Es ist beispielsweise wissenschaftlich belegt, dass übergewichtige Kinder schlechter benotet werden. Beim Arzt wird man schlechter oder gar nicht behandelt.

Wie erleben Sie diese Diskriminierung persönlich?

Besonders schlimm ist es im Internet. Diese Art von Hass, die ich und andere Menschen da erleben, vor allem Frauen und dicke Frauen, ist heftig. Ich wünsche mir, dass klare Richtlinien gegen Hass im Netz in Kraft treten. Es kann nicht sein, dass das Internet ein rechtsfreier Raum ist. Und ohnehin frage ich mich immer wieder: Warum beurteilen Menschen die Körper anderer Menschen? Dass ich übergewichtig bin, ist ja maximal mein Problem. Das geht sonst niemanden etwas an. Zudem ist es mittlerweile belegt, dass Adipositas eine chronische Erkrankung ist. Aber das wird von vielen nicht akzeptiert.

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Derzeit wird viel über Abnehmspritzen diskutiert. Wie blicken Sie auf diese Debatte?

Als übergewichtiger Mensch kann man es sowieso nicht richtig machen: Der Weg zum „Wunschgewicht“ muss hart sein, man muss bluten und schwitzen. Und wenn das erreicht ist, ist man immer noch der ehemals Dicke, der jetzt aufpasst. Und dann muss man sich möglicherweise noch anhören, aber bitte darauf zu achten, nicht zu dünn zu werden. Aber weshalb jetzt so viele Menschen zur Abnehmspritze greifen, liegt für mich auf der Hand – insbesondere bei Frauen.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der man als Frau für nichts so viel Anerkennung bekommt wie für das Verlieren von Gewicht. Ich bin nicht unerfolgreich. Ich habe vier Top-Ten-Bestseller geschrieben. Ich bin mit meiner fünften Tournee unterwegs. Die Hallen sind voll. Trotzdem ist das größte Thema, dass ich viel Gewicht verloren habe.

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