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Unterhaltung

Könige der Nacht“ wirkt wie Hollywood – Migration im Fokus

wochentlich.deBy wochentlich.de3 Mai 2026Keine Kommentare2 Mins Read
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Könige der Nacht“ wirkt wie Hollywood – Migration im Fokus
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Die „Tatort“-Sommerpause wird mit einem Krimi eingeläutet, der inszenatorisch und thematisch Maßstäbe setzt. Die Erkenntnisse des Films sind auch der Verdienst eines Hollywood-Regisseurs.

Eine sichtlich verunsicherte Fahrradkurierin betritt ein Hochhaus. Gespenstische Leere umgibt die Flure des modernen Wohnkomplexes. Die Pizzakartons in den Händen der Frau zittern, als sie mit einem Aufzug in die 23. Etage fährt und vor einer Penthouse-Wohnung landet, aus der dröhnende Bässe dringen. Ein benebelter Partygast öffnet ihr die Tür und verwickelt sie in ein Gespräch – doch sie will schnell weg und übergibt ihre Essenslieferung.

Es ist der Auftakt zum Schweizer „Tatort: Könige der Nacht“, dem letzten Sonntagskrimi vor der ungewöhnlich langen Sommerpause, die bis September dauern wird. Das Ermittlerinnenduo Tessa Ott (Carol Schuler) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) hat es mit einem Fall zu tun, der stellenweise beklemmend wirkt, emotionale wie überraschende Wendungen bereithält und von seiner mitreißenden Inszenierung lebt.

Die junge Frau ist aus Äthiopien in die Schweiz geflohen, hat keine Aufenthaltsgenehmigung und arbeitet illegal unter dem Namen einer Freundin. Moya Alemu, von Nambitha Ben-Mazwi gespielt, wird zum Dreh- und Angelpunkt einer Geschichte, die sich um Ausbeutung, Unmenschlichkeit und die verheerenden Folgen von Migration dreht.

Als Moya beim Verlassen des Gebäudes Wachleute sieht, kommt es zu einer fatalen Verkettung von unglücklichen Ereignissen. Sie sucht ein Versteck und sperrt sich dabei selbst ein. Auf der Suche nach einer Ausflucht beobachtet sie zwei komplett in Schutzanzüge gehüllte Personen, die eine Leiche entsorgen. Den beiden Vermummten entkommt sie anschließend knapp – und plagt sich mit Selbstzweifeln, weil sie aufgrund ihres fehlenden Aufenthaltsstatus nicht die Polizei alarmiert.

Die Leiche ist der 22-jährige Sexarbeiter Ruven aus Mazedonien. Die erste Spur führt zu einer möglichen Erpressung, doch wenig später wird die Freundin der Fahrradkurierin in einen Hinterhalt gelockt und tot gefahren. Ott und Grandjean ermitteln nun in einem zweiten Mordfall – und stellen fest, dass sie eigene Überzeugungen und Gewissheiten infrage stellen müssen.

Die zentrale Szene des in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Krimis ist eine Gegenüberstellung im Kommissariat. In diesen wenigen Minuten schafft der Film etwas, das nur selten gelingt: Zweifel werden gesät – sowohl innerhalb der Erzählung, zwischen den beteiligten Protagonisten, als auch beim Publikum, das beim Zuschauen mehr und mehr ins Grübeln gerät. Denn aus einer Reihe von Leuten, die Moya identifizieren soll, pickt sie ausgerechnet Justus Reynier (Basil Eidenbenz) heraus, der gerade als IT-Spezialist im Polizeipräsidium angefangen hat und am Fall mitarbeitet.

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