Bundesregierung
Koalition streitet um Pflege – Was ist genau geplant?
Aktualisiert am 26.09.2026 – 14:29 UhrLesedauer: 3 Min.
Der neue Gesundheitsminister Carsten Linnemann drückt bei der Pflege aufs Tempo. Der Reformdruck ist groß – doch die SPD grätscht dazwischen. Müssen Betroffene künftig mehr zahlen?
Die SPD stemmt sich gegen Reformpläne von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) bei der Pflege. Wenige Tage vor dem angekündigten Kabinettstermin kündigt SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf Widerstand an und bringt damit den Fahrplan des neuen Ressortchefs ins Wackeln. Mit der geplanten Pflege-Neuordnung drohten „massive Kürzungen“, warnt Klüssendorf. „Das lassen wir nicht zu.“ Für Millionen Menschen geht es bei dem Streit auch darum, wie viel sie künftig für die Pflege bezahlen müssen.
Linnemanns Plan
Linnemann will mit dem Gesetzentwurf, der am Mittwoch im Kabinett beschlossen werden soll, vor allem für eine Stabilisierung der prekären Finanzen der Pflegeversicherung sorgen. Eine bisher vorgesehene 3,2-Milliarden-Euro-Finanzspritze des Bundes für die Pflege dieses Jahr wird nach seinen Worten nicht reichen. Generell will Linnemann „alles dafür tun, dass die Beiträge in Schach gehalten werden“, sagte er in der Regierungsbefragung am Mittwoch.
Für die SPD geht es „um richtig viel“, so Klüssendorf. Leistungskürzungen würden nicht akzeptiert. Die Pflegekosten dürften die Menschen und ihre Familien nicht finanziell überfordern. „Wenn es nach uns, der SPD, geht, dann wollen wir Pflegebedürftige zukünftig spürbar entlasten.“
Was ist ein Pflegedeckel?
Klüssendorf fordert einen „fairen finanziellen Ausgleich“ zwischen privater und gesetzlicher Pflegeversicherung. Vor allem verweist er aber auf den Vorschlag eines Pflegedeckels. Schon seit Jahren gibt es den Vorschlag, die galoppierenden Eigenanteile der Pflegebedürftigen im Heim zu deckeln. Nun pocht Klüssendorf auf so eine Obergrenze. Auch der SPD-Gesundheitsexperte im Bundestag, Christos Pantazis, fordert: „Wir brauchen eine wirksame Begrenzung der finanziellen Eigenanteile.“
Saarlands SPD-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger will eine Begrenzung bei 1.500 Euro. Schon der damalige Kanzler Olaf Scholz (SPD) hatte es als wichtig bezeichnet, „einen Pflegedeckel einzuführen, der die Kosten für die Pflege nach oben begrenzt für die Nutzerinnen und Nutzer“.
3.364 Euro im Monat für einen Heimplatz
Im ersten Jahr im Heim müssen im Schnitt – Stand Juli – 3.364 Euro im Monat aus eigener Tasche für einen Platz gezahlt werden, so die Ersatzkassen. Das sind 119 Euro mehr als zu Jahresbeginn und 256 Euro mehr als im Juli 2025 für die reine Pflege. Grund für die steigenden Kosten sind vor allem höhere Personalausgaben, denn Pflegekräfte werden dringend gesucht und ihre Bezahlung wurde in den vergangenen Jahren verbessert. Die Zahlungen unter anderem für die ebenfalls teurer werdende Unterkunft und Verpflegung kommen hinzu. Dafür fällig werden nun im Schnitt 1.086 Euro pro Monat und damit 50 Euro mehr als zum 1. Juli 2025.
Welche Pläne auf dem Tisch liegen
Die heutige Kanzleramtschefin Nina Warken (CDU), von der Linnemann das Gesundheitsressort übernommen hat, hatte Pläne vorgelegt, bei dem es vor allem um Einsparungen ging. Auch bei Entlastungszuschlägen, die es von der Pflegekasse gibt, sollte gespart werden. Die zeitlichen Stufen sollten bei den Beträgen zur Entlastung gestreckt werden; diese Beträge für die Betroffenen steigen mit der Dauer im Heim an. Warken hatte die nun anstehende Pflegereform in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe vorbereitet. Bereits Verbände etwa der Verbraucherzentralen, Grüne und Linke kritisierten die Pläne scharf.
