Zum zweiten Mal in seiner noch kurzen Amtszeit nominiert Jürgen Klopp einen DFB-Kader – dieses Mal jedoch mit deutlich weniger Spielern. Für einige Stars ist die Bekanntgabe ein bitterer Rückschlag.

Eine kommentierende Analyse von William Laing

Eines machte Jürgen Klopp am Donnerstag unmissverständlich klar. Der zweite Kader seiner Amtszeit als Bundestrainer ist wie bereits der im September eine Momentaufnahme – und als solche kein abschließendes Urteil über alle Spieler, die theoretisch für die deutsche Nationalmannschaft spielen könnten. Es sei „nichts in Stein gemeißelt für die nächsten 20 Jahre“, versicherte Klopp in einem vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) hochgeladenen Video zur Nominierung seines Aufgebots für die letzten beiden Länderspiele des Jahres. Zudem betonte der 59-Jährige mit Blick auf die Zeit nach den Nations-League Duellen mit Serbien (13.11.) und den Niederlanden (16.11.): „Wir wären ja verrückt, wenn wir irgendwelche Türen schließen würden.“

Dass Klopp sich dazu genötigt sah, diese Aussagen zu tätigen, hat einen simplen Grund. Anders als noch bei seinen Debütspielen vor wenigen Wochen fällt der Kader des Bundestrainers dieses Mal deutlich kleiner aus. Klopp hatte für seine ersten vier Partien Ende September gleich 44 Spieler berufen, verteilt auf zwei Kader. Wie zuvor bereits angekündigt, sind dieses Mal jedoch nur 23 Profis mit dabei.

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Während sich eben jene Spieler darüber freuen dürfen, erneut – oder im Fall von Gladbachs Wael Mohya erstmals – das Vertrauen von Klopp zu erhalten, ist die Nominierung für zahlreiche andere Akteure zunächst einmal eine herbe Enttäuschung. Dabei sind Klopps Entscheidungen grundsätzlich nachzuvollziehen. Nur in einem Fall ist sie kaum zu erklären.

Bundestrainer hat einen Plan: für die Gegenwart und die Zukunft

Im Tor hat Klopp eine eindeutige Entscheidung getroffen. Marc-André ter Stegen von Ajax ist die Nummer eins der Nationalmannschaft, Beşiktaş-Schlussmann Alexander Nübel und Jonas Urbig vom FC Bayern sind seine Vertreter. Dieser Schritt kommt nicht überraschend. Alle drei Torhüter hatten in Klopps ersten Länderspielen Einsätze erhalten und sich nichts zu Schulden kommen lassen.

Die Entscheidung für das Trio bedeutet aber auch: Augsburgs Finn Dahmen und Frankfurts Noah Atubolu bleiben weiter außen vor. Das Duo habe es bei den letzten Lehrgängen „einfach klasse gemacht“, lobte Klopp zwar. Doch dass beide nicht zum Einsatz kamen und Urbig sogar zwei Spiele erhielt, ließ bereits vermuten, dass die Rangordnung im DFB-Tor erst einmal festgelegt ist.

Klopps Nummer eins: Marc-André ter Stegen rückt für die kommenden Länderspiele zwischen die Pfosten. (Quelle: IMAGO/AFC Ajax v AZ Alkmaar/imago)

Sollte sich keiner der drei nominierten Schlussmänner verletzten, sind Dahmen und Atubolu also kein Teil der unmittelbaren Planung zwischen den Pfosten. Ter Stegen, jahrelanger Schattenmann von Manuel Neuer, ist aufgrund der Mischung aus Qualität und Erfahrung gesetzt, Nübel sein als Nummer zwei erprobter Ersatzmann. Urbig, der bei seinen Debütspielen bereits zu überzeugen wusste, wird dahinter bereits als Stammtorhüter der Zukunft aufgebaut. Klopp verzichtet auf der Torhüterposition damit auf große Experimente, sondern skizziert einen klaren Plan für die Gegenwart und die Zukunft – so ärgerlich dieser für Dahmen und Atubolu auch ist.

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