Blubbern statt Angst

Diese Kita bringt Kindern früh Wassergewöhnung bei


25.05.2026 – 10:39 UhrLesedauer: 3 Min.

Junge schwimmt in einem Becken (Symbolbild): Viele Kinder lernen erst spät oder gar nicht schwimmen – Fachleute warnen seit Jahren vor den Folgen. (Quelle: IMAGO/Daniel Scharinger/imago)

Mehr als die Hälfte der deutschen Grundschulkinder kann am Ende der vierten Klasse nicht sicher schwimmen. Eine Hamburger Kita will gegensteuern – mit spielerischer Wassergewöhnung schon im Kleinkindalter.

Schwimmenlernen ist Elternsache. Davon scheint man in der Politik auszugehen. Erst in der dritten Klasse beginnt in Hamburg der offizielle Schwimmunterricht. Doch in diesem Rahmen ist es schwierig, den Kindern ohne Vorkenntnisse das sichere Schwimmen beizubringen.

Laut Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind 20 Prozent der Kinder in Deutschland absolute Nichtschwimmer, wenn sie die Grundschule verlassen. Fachleute fordern deshalb seit Jahren, die Wassergewöhnung früher anzusetzen – idealerweise bereits in der Kita.

Spielerisch die Angst nehmen

Der bundesweite Kita-Träger Fröbel hat darauf reagiert und Schwimmprojekte für Kita-Kinder ins Leben gerufen. In Hamburg kooperieren seine acht Einrichtungen dafür mit den städtischen Bäderlandbetrieben. Eine der ersten teilnehmenden Einrichtungen ist die Kita in den Fischbeker Höfen.

Spielerisch ans Wasser gewöhnen: In der Fröbel-Kita Fischbeker Höfe üben Kinder mit Erzieherinnen erste Bewegungen und den Umgang mit Wasser. (Quelle: Fröbel e.V.)

Dort startet die Wassergewöhnung bereits bei den Jüngsten. In den Badezimmern der Einrichtung wird regelmäßig geplanscht – mit Händen, Füßen und Spielzeug. Mutigere Kinder halten den Kopf unter die Brause oder tauchen kurz unter. Im Sommer ergänzen Planschbecken im Innenhof das Angebot. Schwimmbewegungen werden spielerisch geübt.

Erzieherin Miriam Boedeker, die als Ausbildungsassistentin Schwimmen zertifiziert ist, erklärt den pädagogischen Ansatz: „Rein körperlich sind die Kinder ohnehin erst mit fünf Jahren in der Lage, längere Strecken zu schwimmen. Was wir ihnen vorher schon nehmen können, ist die Angst vor dem Wasser.“

Auch beim Kooperationspartner Bäderland freut man sich über diese Unterstützung. Pressesprecher Michael Dietel beschreibt das Problem vieler Anfängerkurse so: „Wenn wir die Kinder in den ersten Stunden erst zum Einstieg ins Becken überreden müssen, reichen die 20 Stunden Seepferdchen-Kurs kaum aus, um die Grundlage für das Schwimmen zu vermitteln.“

Schwimmkurse in Hamburg bleiben teuer

Die Kita in den Fischbeker Höfen geht noch einen Schritt weiter. Da sie sich ein Gebäude mit einer Senioreneinrichtung teilt, darf sie ab dem Sommer deren Schwimmbecken nutzen. Unterstützt von Schwimmlehrkräften des Bäderlandes sollen Vorschulkinder dann regelmäßig schwimmen gehen – mit dem Ziel, das Seepferdchen-Abzeichen bereits vor der Einschulung zu erwerben.

Die Kurse finden am Vormittag während der regulären Kita-Zeit statt und sind für die Familien kostenlos. Das ist ein wesentlicher Faktor: Laut einer DLRG-Umfrage aus dem Jahr 2022 konnte nahezu die Hälfte der Kinder aus Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 2.500 Euro nicht schwimmen. Private Schwimmschulen verlangen in Hamburg bis zu 200 Euro pro Monat. Kita-Leiterin Claudia Schönfeldt berichtet von großer Resonanz: „Die Begeisterung bei den Familien ist groß. Bisher wollen die allermeisten Eltern mitmachen.“

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