Air Canada

Kapitän soll 17 Jahre ohne richtige Lizenz geflogen sein

Aktualisiert am 10.06.2026 – 02:40 UhrLesedauer: 2 Min.

Eine Maschine von Air Canada: Ein Pilot wurde von der Polizei wegen Betrugs, Urkundenfälschung und des Besitzes gefälschter Dokumente angeklagt. (Quelle: Arnulf Hettrich via www.imago-images.de/imago-images-bilder)

Tausende Passagiere, Hunderte Flüge: Ein Kapitän flog offenbar ohne die vorgeschriebene Lizenz. Jetzt steht der ehemalige Air-Canada-Pilot vor Gericht.

Ein kanadischer Pilot soll 17 Jahre lang als Kapitän geflogen sein – ohne die dafür vorgeschriebene Lizenz zu haben. Wie die BBC und der „Guardian“ berichten, werden dem 59-Jährigen aus der Provinz Ontario sieben Anklagepunkte vorgeworfen, darunter Betrug und Urkundenfälschung. Air Canada hat ihren ehemaligen Piloten bereits vom Dienst entlassen.

Der Mann war den Berichten zufolge insgesamt 27 Jahre für Air Canada tätig. Als er 2009 zum Kapitän befördert wurde, hätte er dafür eine sogenannte Airline Transport Pilot Licence (ATPL) benötigt – eine Lizenz, die unter anderem das Bestehen einer Reihe schriftlicher Prüfungen voraussetzt. Stattdessen soll er gefälschte Dokumente vorgelegt haben. Er besaß demnach zwar eine gültige kommerzielle Pilotenlizenz, nicht aber die für das Führen großer Passagiermaschinen als Kapitän erforderliche ATPL.

900 internationale und nationale Flüge

In den folgenden Jahren flog er laut Polizei insgesamt mehr als 900 nationale und internationale Flüge mit verschiedenen Boeing-Modellen und verdiente dabei Millionen Dollar Gehalt. Bei einer Routineüberprüfung im vergangenen Jahr stießen Behörden jedoch auf Ungereimtheiten bei seinen Dokumenten. Transport Canada, die zuständige Bundesbehörde, leitete daraufhin eine Untersuchung ein und informierte die Polizei. Die Peel Regional Police aus dem Großraum Toronto führte eine Hausdurchsuchung durch und analysierte die Dokumente. Das Ergebnis: Die Lizenz soll gefälscht sein.

Am 1. Juni wurde der Pilot mit insgesamt sieben Anklagepunkten konfrontiert, darunter Betrug, Urkundenfälschung und dem Besitz gefälschter Dokumente. Zudem soll er bei der Polizei eine falsche Anzeige über angeblich gestohlene Pilotendokumente erstattet haben. Sein nächster Gerichtstermin ist für den 29. Juni angesetzt. Nick Milinovich, stellvertretender Polizeichef der Peel Regional Police, zog gegenüber BBC einen Vergleich: „Das ist sehr ähnlich wie bei einem Arzt, der eine Zulassung für Allgemeinmedizin hat, aber in seiner Praxis Gehirnoperationen durchführt.“

Air Canada erklärte in einer Stellungnahme, die Sicherheit der Passagiere sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen. Alle Piloten der Airline durchliefen alle sechs Monate verpflichtende Trainings zur Überprüfung ihrer Flugtauglichkeit, darunter alle zwölf Monate lang einen Flugcheck mit einem zertifizierten Prüfpiloten von Transport Canada. In einer Stellungnahme hieß es, dass Lizenzen dennoch eine wichtiger Bestandteil der Sicherheitsmaßnahmen seien und man den Fall sehr ernst nehme. Eine anschließende Überprüfung aller Piloten habe keine weiteren Verstöße ergeben.

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