Kai Wegner zieht die einzig richtige Konsequenz aus seiner „Tennis-Affäre“. Sein Rückzug von der Spitzenkandidatur in Berlin könnte gerade noch zur rechten Zeit gekommen sein.

Spät geht er, aber immerhin: Er geht. Kai Wegner (CDU), Berlins Regierender Bürgermeister, hat die Reißleine gefunden – womöglich gerade noch rechtzeitig. Wenn auch mit einem Auftritt, einem Statement, das Wegner-typisch eine ordentliche Portion Frechheit besaß.

Der CDU-Politiker zieht seine Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl zurück. Damit gibt er dem innerparteilichen Druck seit den neuerlichen Enthüllungen zu seinem Krisenmanagement während des Blackouts in Berlin Anfang des Jahres nach.

Es ist der einzig logische Schritt, die einzig richtige Konsequenz. Für ihn, für seine Partei, aber auch für die so schwer regierbare Hauptstadt, die Besseres verdient hat als einen Mann, der offenkundig mehrfach gelogen und Tennisspiele verschwiegen hat, der glaubt, ein Stromausfall im tiefsten Winter ließe sich per WhatsApp regeln.

Wegner ist weg – und das ist gut so

Natürlich hätte er, hätte aber auch seine Partei schon zu diesem Schluss kommen müssen: Mit dem geht’s einfach nicht. Mit Wegner lässt sich die Wahl nur noch verlieren. Spätestens im März, als all seine Falschbehauptungen aufflogen, die längst mehr waren als Kommunikationspannen, hätte das allen klar sein müssen.

Und natürlich ist die Grenze zur Unverschämtheit abermals überschritten, wenn Wegner sich am Freitagnachmittag vor den entscheidenden Rückzug-Sätzen zunächst minutenlang selbst lobt und dann später allen Ernstes noch sagt: In der Sache, nein, da habe er sich nichts vorzuwerfen. Lediglich die Kommunikation, ja, die schon, sei „Mist“ gewesen.

Im Video | Hier erklärt Kai Wegner seinen Rückzug

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Aber sei’s drum. Wegner ist (bald) weg – und das ist gut so. Ist die Berliner CDU gut beraten, und wenigstens darauf deutet jetzt alles hin, stellt sie nun den seriösen, integren, smarten Stefan Evers als Spitzenkandidaten auf.

Es geht um mehr als das Wahlergebnis für die CDU

Denn zumindest in diesem Punkt muss man Wegner ja zustimmen: Es geht um mehr als ihn, um mehr als nur die CDU, der nach aktuellen Umfragen die Wahlschmach des Jahres droht. Es geht um Berlin und um die Frage, wie sich ein dunkelrot-grün-linkes Bündnis, womöglich gar angeführt von der in Teilen antisemitischen Linkspartei, verhindern lässt.

Der Wahlkampf für dieses Unterfangen wird hart. Das liegt auch daran, dass kurz vor Berlin auch Sachsen-Anhalt wählt. Von dort nämlich dürfte nach den aktuellen Umfragen die Gefühlswelle eines enormen Rechtsrucks ausgehen, die auch jenseits von Magdeburg, Stendal und Halle zu spüren sein wird. Und der darauf folgende Backlash nach ganz links in der ohnehin links geprägten Hauptstadt dürfte entsprechend groß ausfallen.

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