Rentenreform-Debatte bei „Lanz“
Juso-Chef: „Wer kürzer lebt, muss länger arbeiten“
24.06.2026 – 02:29 UhrLesedauer: 3 Min.
Bei „Markus Lanz“ diskutierten Juso-Chef Türmer und CDU-Politiker Reddig über die neue Rentenreform. Der SPD-Mann sprach von einem „Konstruktionsfehler“.
Kapitaldeckung nach schwedischem Vorbild, Abschaffung der Rente mit 63, Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung: Die Rentenkommission der Bundesregierung hat am Montag ein umfassendes Reformkonzept vorgelegt. Bei „Markus Lanz“ trafen zwei Politiker aufeinander, die das Konzept aus unterschiedlichen Perspektiven bewerten: Juso-Chef Philipp Türmer sieht einen „Konstruktionsfehler“, CDU-Politiker Pascal Reddig verteidigt das Paket als historische Chance.
Die Gäste
- Philipp Türmer (SPD), Juso-Vorsitzender
- Pascal Reddig (CDU), Mitglied der Rentenkommission
- Kerstin Münstermann, Journalistin (Rheinische Post)
Münstermann: „Erste große Reform seit 30 Jahren“
Journalistin Kerstin Münstermann zeigte sich beeindruckt vom Ergebnis der Kommission. „Eine große Überraschung im politischen Berlin“, sagte sie. Niemand habe auf diese Kommission gewettet, weil sie in einem schwierigen politischen Umfeld entstanden sei. „Eine Koalition, die sich ja im ersten Jahr ihres Bestehens eher selber zerlegt hat, als gemeinsam zu Entschlüssen zu kommen.“
Dass Kanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas gemeinsam eine Pressekonferenz gegeben hätten, sei bemerkenswert. Die beiden stünden „an ganz weit entfernten Flügeln der jeweiligen Parteien“. Münstermann ordnete ein: „Ich berichte seit sehr langer Zeit über die Rente und habe noch nie ein Konzept erlebt, was tatsächlich die Idee hatte, das gesamte System mal neu anzugehen.“
Türmer: „Das Motto ist: Wer kürzer lebt, muss länger arbeiten“
Juso-Chef Türmer sah das Konzept kritischer. Zwar begrüßte er, dass Beamte und neue Selbstständige einbezogen werden sollten. Doch der Vorschlag leide unter einem „entscheidenden Konstruktionsfehler“. Er ziehe vor allem Leute wie ihn selbst vor – „Leute, die was haben“.
Türmer, der zwei Studienabschlüsse in Volkswirtschaft und Jura hat, erklärte, er habe erst mit Ende 20 angefangen, in die Rentenversicherung einzuzahlen. Trotzdem müsse sein ehemaliger Grundschulkollege, der mit 19 als Lagerist angefangen habe, genauso lange arbeiten wie er, um ohne Abschläge in Rente zu gehen.
Der Juso-Chef verwies auf die unterschiedliche Lebenserwartung: Menschen, die hart körperlich arbeiteten, lebten statistisch acht Jahre kürzer. „Das Motto dieser Rentenreform ist: Wer kürzer lebt, muss länger arbeiten“, sagte er. Er finde es unfair, dass Akademiker wie er nicht länger arbeiten müssten als Menschen in belastenden Berufen.
Reddig: Frauen wurde massiv benachteiligt
CDU-Politiker Reddig widersprach. Die Rente mit 63 habe gerade nicht diejenigen erreicht, für die sie gedacht gewesen sei. Profitiert hätten vor allem Menschen in sehr gut bezahlten Berufen, Männer zumal – Frauen seien „massiv benachteiligt“ worden.
Eine Rente nach Beitragsjahren, wie Türmer sie andeute, würde diese Ungleichheiten nur verfestigen. Gerade in körperlich anstrengenden Berufen und im Niedriglohnsektor hätten viele Menschen keine ununterbrochenen Erwerbsbiografien, argumentierte Reddig. Die Kommission habe sich deshalb für „zielgenaue Lösungen“ entschieden.
