„Sie fuhren wie auf einem Formel-1-Kurs“

Junger Raser wegen Mordes verurteilt


09.10.2026 – 20:26 UhrLesedauer: 2 Min.

Die Unfallstelle in der Nähe der Kennedybrücke (Archivbild): Der Beifahrer im BMW starb. (Quelle: Fabian Höfig/News5/dpa)

Zwei Männer fahren in einem BMW 320. Eine Polizeistreife stellt fest: Sie sind mit 86 km/h deutlich zu schnell. Als die Beamten kontrollieren wollen, sagt der Beifahrer angeblich: „Gib einfach Gas“.

Ein 18 Jahre alter Heranwachsender ist in Hamburg nach einer Todesfahrt im BMW zu einer Jugendstrafe von sieben Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Hamburg sprach den Angeklagten am Freitag unter anderem wegen Mordes und versuchten Mordes schuldig.

Es war der 31. Januar, 6.18 Uhr: Der 18-Jährige saß mit einem deutlich älteren Freund in seinem BMW 320. Die beiden fuhren durch Hamburg. Der 3er-BMW sei sein erstes Auto gewesen, das er sich als 17-Jähriger ohne Führerschein für 3.700 Euro gekauft hatte, erfuhr das Gericht im Prozess. Das Gericht nimmt an, dass er den Wagen mit Geld aus dem Handel mit Marihuana finanziert hatte.

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Neben dem jungen Afghanen, der in Hamburg sonst nur noch einen älteren Bruder hat, saß ein 35-Jähriger. Der Mann hatte dem 18-Jährigen einen Job bei einer Securityfirma besorgt, jetzt wollten die beiden zur Arbeit. Vor der Fahrt hatten sie einen Joint geraucht. Dann fuhr der Jüngere los.

Polizeistreife wird aufmerksam: 18-Jähriger gibt Gas

Wie Richterin Anne Meier-Göring am Freitag erklärte, war der BMW für den jungen Afghanen ein Statussymbol, mit dem er auf TikTok angegeben habe. Allerdings eines, das er eigentlich nicht hätte fahren dürfen: Am Wagen waren gestohlene Kennzeichen angebracht, eine Versicherung hatte der Angeklagte nicht.

Dann geschah es: Mit 86 km/h fiel der Heranwachsende einer Polizeistreife auf. Die Beamten gaben mit Leuchtsignal und Blaulicht das Signal zum Anhalten – und in diesem Moment sagte der Beifahrer angeblich zum Fahrer: „Gib einfach Gas.“

Zwei Minuten bis zum Unfall: „Sie fuhren wie auf Formel-1-Kurs“

Die folgenden zwei Minuten zeichnet das Gericht wie folgt nach: Über die nächste Kreuzung schoss der Angeklagte bei Rot mit 122 km/h. An der folgenden U-Bahnstation Schlump hatte der BMW schon 146 km/h auf dem Tacho. Auf der Kennedybrücke wechselte der 18-Jährige in einer für ihn uneinsehbaren Linkskurve auf die Gegenfahrbahn, obwohl ihm gerade noch eine Fahrzeugkolonne entgegengekommen war.

„Sie fuhren durch Hamburg wie auf einem Formel-1-Kurs“, sagte die Vorsitzende der Kammer bei der Urteilsverkündung. „Das war nur noch Harakiri, das war eine Wette auf Leben und Tod.“ Sein eigenes Leben und das anderer Menschen seien ihm gleichgültig gewesen.

Schließlich krachte es vor dem „Hotel Atlantic“: Ein entgegenkommender Transporterfahrer konnte die Kollision nicht mehr verhindern. Während der 28-jährige Sprinterfahrer verletzt wurde, starb der 35 Jahre alte Beifahrer des Angeklagten.

„Es hätten weit mehr Menschen sterben können“, betonte die Richterin. Mit seiner Flucht habe der Angeklagte die Beschlagnahme des Wagens verhindern wollen. Denn das war ihm im Jahr davor schon einmal passiert, mit dem Auto seines älteren Bruders. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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