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You are at:Home»Unterhaltung»Julian Reichelt wirft Zeitung DDR-Methoden vor: Medienforscher alarmiert
Unterhaltung

Julian Reichelt wirft Zeitung DDR-Methoden vor: Medienforscher alarmiert

wochentlich.deBy wochentlich.de23 Januar 2026Keine Kommentare2 Mins Read
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Julian Reichelt wirft Zeitung DDR-Methoden vor: Medienforscher alarmiert
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Reichelts unsäglicher DDR-Vorwurf

„Schämt euch!“-Imperativ wird zum Bumerang

MeinungEin Gastbeitrag von Volker Lilienthal


22.01.2026 – 17:19 UhrLesedauer: 3 Min.

Vergrößern des Bildes

Julian Reichelt: Er war viereinhalb Jahre Chefredakteur der „Bild“. (Quelle: Jörg Schüler/imago-images-bilder)

„Nius“-Chefredakteur Julian Reichelt wettert in den sozialen Medien lautstark gegen einen Konkurrenten. Einer der renommiertesten Medienforscher des Landes schlägt deshalb jetzt Alarm.

Vor einigen Tagen habe ich die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen besucht. Durch das ehemalige Stasi-Gefängnis geführt zu werden, ist eine bedrückende Erfahrung. Man erfährt, unter welch unmenschlichen Bedingungen die Untersuchungshäftlinge festgehalten wurden, wie sie drangsaliert und verhört wurden, früher auch gefoltert. Psychische Folter war das gesamte Haftregime der Stasi. Von den erfahrenen Guides dort lernt man auch, dass jede erpresste Information genutzt wurde für operative Ziele draußen, jenseits der Gefängnismauern. Die Stasi säte damit Misstrauen in Familien und Freundeskreisen, sie wollte erreichen, dass niemand mehr niemandem traut. Das nannte man Zersetzung.

Wenn nun „Nius“-Chefredakteur Julian Reichelt dem Chefredakteur einer niedersächsischen Regionalzeitung vorwirft, er betreibe „Zersetzung wie in der DDR“, nur weil die Zeitung auf ihrer Webseite ein Interview mit der Bundesjustizministerin mit der Zeile „Stefanie Hubig über die AfD, Nius und den Kampf gegen Kinderpornografie“ angeteasert hatte, wenn das „Zersetzung“ sein soll, dann hat da jemand ziemlich tief im Begriffsregal gegriffen.

Klar, Reichelt wollte sein Start-up nicht in einer Reihe mit AfD und Kinderpornografie genannt sehen. Aber er tat ja noch mehr – und verhielt sich dabei maßlos. Er forderte seine über 470.000 Follower auf X auf, Burkhard Ewert, dem Chefredakteur der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, zu schreiben, „was Sie davon halten“. Eine Formulierungshilfe lieferte der „Nius“-Chef gleich mit – als könnten seine Fans nicht selbst denken. Die Verbalinjurie „totaler Dachschaden“ war auch noch im Angebot.

„Zersetzung wie in der DDR“ Jeder Vernünftige weiß, dass man mit historischen Vergleichen vorsichtig sein sollte. Der Pranger, den Reichelt auf der Plattform X aufgestellt hat, einschließlich der Aufforderung zum Shitstorm, erinnert mich an die Wandzeitungen in der Zeit der chinesischen Kulturrevolution: Da wurden missliebige Parteikader und auch einfache Menschen auf großen Plakaten öffentlich denunziert. Damals hatte das schlimme Folgen, bis hin zum Tod des Angeschuldigten. Heute nicht mehr, man kann und darf sich gegen eine solche Feindmarkierung wehren. Und da endet der Vergleich.

Soweit ersichtlich, hat sich Reichelt (vorerst) nicht mit der Bundesjustizministerin angelegt. Denn die hatte eben kein Verbot von „Nius“ gefordert, wie es jüngst – vollkommen kontrafaktisch – Daniel Günther, dem Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, unterstellt worden war. Hier ist ein von „Nius“ angestrengter Rechtsstreit anhängig. Man darf gespannt sein.

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