Julia Ruhs äußert sich
„Sie muss weg“ soll auf NDR-Fluren zu hören gewesen sein
20.09.2025 – 16:10 UhrLesedauer: 3 Min.
Julia Ruhs hat ihren Job als NDR-Moderatorin verloren. Nun spricht sie von geheimen Chatgruppen und übt scharfe Kritik.
Die Journalistin Julia Ruhs äußert sich zu ihrem NDR-Rauswurf. Innerhalb des öffentlich-rechtlichen Senders soll es einen internen Konflikt um ihre Moderation des Formats „Klar“ gegeben haben, woraufhin Konsequenzen gezogen wurden.
Bereits die Auftaktsendung zum Thema Migration hatte für Aufmerksamkeit gesorgt – die Journalistin, die als konservative Stimme gilt, berichtete darin unter anderem über Gewalt im Zusammenhang mit Einwanderung. Seit Mittwoch ist bekannt, dass Ruhs das Format nur noch für den Bayerischen Rundfunk, nicht aber für den NDR moderieren wird. Jetzt bezieht die 31-Jährige selbst nochmal ausführlich Stellung.
Ruhs ist neben ihrer Arbeit beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch als Kolumnistin bei „Focus Online“ tätig. Dort schreibt sie jetzt in Bezug auf ihr Ende beim NDR: „Mein Rauswurf war vor allem eines: politisch.“
Ruhs schildert, wie das Projekt „Klar“ 2023 mit dem Anspruch gestartet sei, konservative Zuschauer anzusprechen und eine Brücke zu Kritikern der Öffentlich-Rechtlichen zu schlagen. „Es musste also endlich etwas geschehen“, schreibt sie. Sie selbst habe dabei für Glaubwürdigkeit gestanden – durch ihre Bekanntheit aus Kolumnen, Kommentaren und Social Media.
Dass sie nun nicht mehr Teil des Formats ist, sieht sie als Folge interner Ablehnung: Im Sender habe es geheime Chatgruppen und Unterschriftenlisten gegen das Projekt gegeben. „‚Die Julia muss weg‘, hörte man auf den Fluren“, behauptet Ruhs. Kritisiert worden sei unter anderem ein Satz zu Beginn der „Klar“-Folge zum Thema Migration – „Was jetzt kommt, wird vielleicht nicht jedem gefallen“ –, den Ruhs jedoch für legitim hält. „Was ich mich also frage: Können wir mit dem Einstiegssatz wirklich so einen fundamentalen Fehler begangen haben?“, schreibt sie.
Aus ihrer Sicht zeigten Zuspruch in Kommentarspalten, ein Agrarjournalismuspreis und eine Zuschauerbefragung, dass das Format funktionierte. Für letztere habe der NDR ein externes Marktforschungsinstitut beauftragt, um den Erfolg der ersten drei „Klar“-Folgen zu analysieren. Die Ergebnisse hätten laut Ruhs gezeigt: „Unser Format kommt in fast allen Zielgruppen gut an. Weiblich, männlich, alt und jung, niedrig, mittel und hoch gebildet. In Ost und West, Stadt und Land.“
Auch andere Ergebnisse der Auswertung hätten gezeigt, dass das Format „fern der Spalterei war“. So hätten „selbst 49 Prozent der Grünen-Anhänger“ und 46 Prozent Anhänger der Linken „Klar“ mit sehr gut oder gut bewertet. „Die meisten Fans hatten wir bei Union, SPD und AfD. Um die 70 Prozent von ihnen bewerteten unsere Sendung mit ‚gut‘ oder ’sehr gut‘.“ Ruhs schlussfolgert daraus: „Es scheint nur eine militante Minderheit zu sein, denen unser Format gegen den Strich geht.“
Das Format „Klar“ hätten viele mit ihr verbunden. Dass sie trotzdem abgezogen wurde, wertet sie als Schaden für das gesamte Projekt: „Der NDR sabotiert damit das Entstehen einer neuen Marke. Und hat den Ruf des ÖRRs insgesamt gefährdet.“ Neben ihrer Kritik am NDR betont Ruhs die Rückendeckung durch den Bayerischen Rundfunk (BR), der sich „unverbrüchlich“ hinter sie gestellt habe: „Ich weiß jetzt, wie gut ich es beim BR habe.“
