„Da ist mir das Herz aufgegangen“
Jürgen Klopp ist verliebt in Deutschland
02.10.2026 – 07:56 UhrLesedauer: 4 Min.

Nach einem ersten Unentschieden und einer ersten Niederlage hat Jürgen Klopp auch seinen ersten Sieg als Bundestrainer erlebt. Diesen kostete der 59-Jährige voll aus.
Aus München berichtet Benjamin Zurmühl
Um 22:39 Uhr machte ihn Jürgen Klopp ein letztes Mal, den Kreisel. Klopp hob die rechte Hand, streckte den Zeigefinger nach oben und wirbelte mehrfach kreisförmig in der Luft herum. Das Signal: macht weiter so. Während des Spiels beim 2:0-Sieg gegen Serbien zeigte er den Kreisel, wenn seine Spieler einen Ball erobert oder eine Torchance kreiert hatten. Diesmal aber galt der Kreisel den Fans. Die mehr als 66.000 Zuschauer in der Allianz Arena feierten die deutsche Mannschaft ausgiebig. Ein ganz anderes Bild als noch vor vier Tagen in Augsburg, wo es nach dem 0:1 gegen Griechenland sogar ein paar Pfiffe gab.
Im Video | Klopp gerät plötzlich ins Schwärmen
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Jürgen Klopp saugte den Jubel in München auf, strahlte über das ganze Gesicht. Die gute Laune und die Erleichterung über den ersten Sieg als Bundestrainer waren ihm anzumerken. Einen Spieler nach dem anderen nahm er während der Ehrenrunde durch das Stadion in den Arm. Ob Debütant Mika Baur, Stürmer Jonathan Burkardt oder Verteidiger Philipp Treu, Klopp gab ihnen allen noch einmal ein paar Worte mit. Kurz vor dem Gang in die Kabine drehte er sich dann noch einmal zu den Fans und verteilte Luftküsse auf die Tribüne.
Klopp ist sich seiner Stärken bewusst
„Es war ein Traumbild“, sagte Klopp auf der Pressekonferenz nach dem Spiel und schwärmte: „Die Fahnen, die Laola-Welle, es war wundervoll. Schon vor dem Spiel reinzukommen und Schwarz-Rot-Gold zu sehen, da ist mir das Herz aufgegangen.“ Wer das ein oder andere Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft besucht hat, weiß, dass weder wehende Deutschland-Fahnen noch Laola-Wellen unüblich sind. Auch unter Julian Nagelsmann waren die vor allem bei Heimsiegen zu sehen.
Aber die Beziehung zwischen den Fans und dem Trainer war eine andere. Mit Julian Nagelsmann fremdelten viele DFB-Anhänger. Zu oft wirkte er oberlehrerhaft und unnahbar. Mit seiner holprigen Kommunikation verbaute er sich einige Sympathien. Weil im Final Four der Nations League und der WM im Sommer auch die Ergebnisse nicht mehr stimmten, war das Verhältnis endgültig zerrüttet.

Das hat auch Jürgen Klopp mitbekommen. Der 59-Jährige weiß um seine Stärke in der Außenwirkung. Seine mitreißende Kommunikation, seine kumpelhafte Ausstrahlung und sein intensiver Fußball sind ein gutes Rezept, um die Fans auf seine Seite zu ziehen. Die Erfahrung hat er bereits in Mainz, Dortmund und Liverpool gemacht. Die anderthalb Jahre beim bei Fußballfans ungeliebten Red-Bull-Konzern haben ihm viele bereits verziehen.