Ulrich Siegmund selbst hat diese Variante schon am Mittag, vor seiner Stimmabgabe in seiner Heimat Tangermünde im Wahllokal, klar benannt. Er könne sich vorstellen, dass einzelne Abgeordnete eine AfD-geführte Regierung unterstützten, sagte er da der „Zeit“.
AfD-Politiker aus Siegmunds Landesverband rechnen sogar fest mit möglichen CDU-Abweichlern. Zu hart sei die CDU abgestraft worden, zu unmöglich sei für einige dort eine Kooperation mit der Linken, zu gut sei zugleich schon seit Langem das Verhältnis von einigen CDU-Politikern zur AfD, zu groß die programmatische Nähe zwischen den beiden Parteien.
„Es gibt Gesprächskanäle“, sagt Matthias Büttner t-online. Büttner sitzt im Landesvorstand der AfD Sachsen-Anhalt, ist zugleich Abgeordneter im Landtag. Er geht von bis zu sechs Abgeordneten aus, die sich von der CDU abspalten könnten.
Der AfD-Landtagsabgeordnete Daniel Wald sieht es ähnlich, wenn er auch etwas vager formuliert: „Vielleicht versucht der eine oder andere Erzkonservative, das sinkende Schiff CDU noch zu verlassen“, sagt er. AfD-Direktkandidat Ronny Kumpf zuckt mit den Schultern, lächelt: Ein Überlaufen zur AfD oder eine Zusammenarbeit von einigen CDU-Politikern mit der AfD sei „wahrscheinlich“, meint er.
Zweiter Weg: BSW – doch am Vertrauen mangelt es
Der zweite Weg, wie die AfD trotz fehlender Stimmen eine Regierung schaffen könnte, geht über das BSW. Doch man vertraut dem BSW in der AfD nicht, auf jeden Fall sehr, sehr viel weniger als den Konservativen in der CDU. Viel hat das damit zu tun, dass das BSW bisher in Sachsen-Anhalt nicht im Parlament sitzt und auch nicht kommunal verankert ist. Bedeutet: Man kennt sich einfach nicht persönlich.
„Gespräche kann man führen“, sagt Kay-Uwe Ziegler, AfD-Bundestagsabgeordneter aus Sachsen-Anhalt. Für eine Zusammenarbeit aber müsse man sich persönlich kennen, einschätzen und vertrauen können. Viele andere formulieren es ähnlich – und äußern erhebliche Zweifel, ob das BSW dieses Vertrauen verdient.
Von einem „Trümmerhaufen“ ist mit Blick auf das BSW, das sich in Thüringen gerade komplett zerlegt hat, unter AfD-Politikern auf der Wahlfeier die Rede. Und davon, dass das BSW vor der Bundestagswahl alles versprochen habe, nur um ins Parlament einzuziehen. Prädikat: nicht glaubwürdig, zu verzweifelt.
