Jens Spahns Babyglück wird für ihn zum politischen Problem. In CDU und CSU sind viele entsetzt, dass sich der Fraktionschef über die deutsche Rechtslage und die Parteilinie hinwegsetzt.
Es hatte alles so nett angefangen für ihn. „Ein Baby für Jens Spahn“ lautete die Titelzeile der „Bild“-Zeitung vom Donnerstag. „Es ist eine Nachricht voller Liebe, Glück und einer großen Veränderung“, beginnt die exklusive Homestory im Blatt. Fast eine Seite ist sie lang, große Fotos der lachenden Papas Jens Spahn und Daniel Funke, sein Ehemann.
Einen Tag später ist aus der frohen Botschaft für Jens Spahn ein großes politisches Problem geworden. Denn die beiden haben ihr Kind von einer Leihmutter in den USA austragen lassen. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten. Und die Union, deren Fraktionschef Spahn im Bundestag ist, will unbedingt, dass das so bleibt.
- Kommentar zu Jens Spahn: Das ist bigott!
Zu sagen, dass es in CDU und CSU seit der Nachricht rumort, wäre heillos untertrieben. Unverständnis, Entsetzen, auch Wut – das trifft es eher. Es gibt erste Unionspolitiker, die Spahns Rücktritt fordern. Trotz der Sommerpause, in der sich die Koalition eigentlich Ruhe verordnet hat, wird es brenzlig für Spahn. Ein erfahrener Politiker, der sich nicht namentlich zitieren lassen möchte, sagt t-online: „In der CSU herrscht schiere Fassungslosigkeit.“
CDU-Parteitagsbeschluss bekräftigt Verbot
Die Haltung der CDU zur Leihmutterschaft ist eindeutig, sie hat sie erst im Februar auf ihrem Bundesparteitag bekräftigt. Dort beschloss die Partei einen Antrag der Frauen-Union, in dem es heißt: Leihmutterschaft bleibe in jeder Form verboten, also auch die altruistische, nicht bezahlte Leihmutterschaft. Um zu verhindern, dass Modelle entstünden, „die Leihmutterschaft zu einem Geschäftsmodell machen“.

Spahn selbst hat sich mehrfach gegen Leihmutterschaft ausgesprochen. Als er Gesundheitsminister war, verteidigte sein Ministerium 2020 die Gesetzeslage und begründete das unter anderem mit „besonderen Schwierigkeiten bei der Selbstfindung des Kindes“ sowie möglichen negativen Folgen für dessen Entwicklung.
Fünf Jahre vorher schrieb Spahn im Männer-Magazin „GQ“, als „schwuler Mann und Christ“ könne er sich nur „sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs“ anfreunden. Auch wenn es ein „großes Maß an Demut“ verlange, zu akzeptieren, dass er nicht auf natürlichem Weg Vater werden könne. „Ob ich das aufbringen kann, weiß ich nicht.“
