Reise-Leichtsinn

Jeder sechste Deutsche fliegt ohne diesen Schutz in den Urlaub


22.05.2026 – 10:48 UhrLesedauer: 2 Min.

Hohes Risiko: Viele Deutsche fliegen ohne zusätzliche Auslandskrankenversicherung in den Urlaub. (Quelle: IMAGO/imageBROKER/Unai Huizi)

Eine Behandlung beim Hotelarzt kostet schnell mehr als 1.000 Euro. Trotzdem reisen viele Deutsche ohne ausreichenden Schutz und mit kaum Geld ins Ausland.

Viele deutsche Auslandsurlauber sind finanziell nicht auf medizinische Notfälle vorbereitet. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der ADAC Versicherung. Zwölf Prozent der Befragten können im Ernstfall höchstens 100 Euro für eine Behandlung aufbringen. Gleichzeitig verzichten 16 Prozent komplett auf eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung.

Die ADAC Versicherung befragte für die Erhebung 2.090 Personen ab 18 Jahren.

Junge Erwachsene riskieren am meisten

Besonders bei den 18- bis 39-Jährigen klafft eine große finanzielle Lücke: 17 Prozent dieser Altersgruppe können im Notfall maximal 100 Euro flüssig machen. Fast drei Viertel aller Befragten wissen jedoch, dass ausländische Ärzte in der Regel Vorkasse verlangen.

Marc Kottmann, Schadenvorstand bei der ADAC Versicherung, warnt: „Wer im Ausland krank wird, muss oft mehrere Hundert oder Tausend Euro für einfachste Behandlungen sofort bar oder per Kreditkarte bezahlen. Viele stehen damit vor einem echten finanziellen Problem.“

Arztbesuche in touristischen Regionen kosten oft ein Vielfaches der deutschen Sätze. Für eine einfache Magen-Darm-Behandlung fallen mitunter mehr als 1.000 Euro an, in Extremfällen sogar über 3.000 Euro, wie Ägypten-Urlauber erlebt haben. Selbst die 34 Prozent der Befragten mit bis zu 1.000 Euro Rücklage sind für solche Fälle nicht ausreichend gerüstet.

Kostenvergleich: Durchfallbehandlung in Deutschland und Ägypten

Leistung Deutschland (Privat) Ägypten (Hotelarzt)
Beratung, Untersuchung, Infusion 30 bis 60 Euro 640 bis 1.200 Euro
Medikamente (z. B. Imodium, Elektrolyte) 5 bis 15 Euro 100 bis 200 Euro
Gesamtkosten 35 bis 75 Euro 740 bis 1.400 Euro

Der Irrtum mit der Krankenkassenkarte

Nur etwa die Hälfte der Befragten besitzt eine eigenständige Auslandskrankenversicherung. Weitere 19 Prozent nutzen den Schutz eines Automobilclubs. Viele verlassen sich ausschließlich auf die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) ihrer gesetzlichen Krankenkasse, die jedoch nur bei staatlichen Vertragsärzten und öffentlichen Kliniken innerhalb Europas hilft.

Sie deckt lediglich die lokalen Kassenleistungen ab. Bei Hotelärzten oder Privatkliniken, an die Urlauber häufig geraten, müssen Patienten den Großteil der Rechnung aus eigener Tasche zahlen.

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Erstattung läuft meist reibungslos

Zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) haben im Urlaub schon einmal eine Arztrechnung selbst beglichen. Wer die Quittung danach bei seiner Versicherung einreichte, empfand das Verfahren mehrheitlich als unkompliziert, die Bearbeitungszeit als angemessen und die Erstattung als verständlich. Bei 28 Prozent der Befragten rechnete der Arzt direkt mit der Versicherung ab.

Drei Regeln gegen hohe Arztkosten im Ausland

Unvorhergesehene Ausgaben im Urlaub lassen sich mit einfachen Vorsichtsmaßnahmen vermeiden. Experten raten zu folgendem Vorgehen:

  • Jahrespolice abschließen: Eine Auslandskrankenversicherung kostet für Einzelpersonen oft unter 15 Euro im Jahr und deckt alle Reisen weltweit ab. Sie fängt Privat- und Hotelarztrechnungen komplett auf.
  • Zuerst die Hotline wählen: Im Krankheitsfall sollten Urlauber vor dem Arztbesuch die Notrufnummer ihrer Versicherung anrufen. Die Mitarbeiter vermitteln geprüfte Mediziner und regeln die Abrechnung direkt mit der Klinik.

Wichtig auch: Detaillierte Quittungen fordern. Wer bar oder per Kreditkarte zahlt, benötigt eine detaillierte Rechnung mit allen medizinischen Diagnosen. Nur mit diesen Nachweisen erstattet die Versicherung das Geld nach der Reise anstandslos.

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