Kai Wegner wird die „Tennis-Affäre“ nicht los, sie reicht längst über Berlin hinaus. Der Druck auf den Regierenden Bürgermeister steigt diese Woche noch einmal gewaltig. Zieht er zurück?

Lange haben sie die Schmach erduldet, sie verdrängt und ihren Frust vor allem heimlich rausgelassen. Diese Woche aber reicht es einigen in der Berliner CDU. Sie wollen nicht mehr sehenden Auges in ein Wahldesaster laufen, das sie schon länger fürchten und für das sie eine einzige Person verantwortlich machen: Kai Wegner, CDU-Landeschef, Regierender Bürgermeister, Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September – und inzwischen berüchtigter Hobby-Tennisspieler.

Wegner war Anfang Januar Tennis spielen gegangen, als Zehntausende Berliner wegen eines Blackouts ausgerechnet im bürgerlichen Bezirk Steglitz-Zehlendorf tagelang ohne Strom waren. Freizeitvergnügen statt Krisenmanagement? Wegner verteidigte sich zunächst energisch und machte den einen Fehler, den Politiker in solchen Situationen nicht machen dürfen: Er übertrieb seine eigenen Krisen-Bemühungen, bis nach und nach die nicht sonderlich heldenhafte Wahrheit bekannt wurde.

Lange geschah ihm trotzdem: nichts. Wegner regierte weiter, die CDU erduldete die peinlichen Witze über den Regierenden Tennismeister von Berlin. Bis in dieser Woche ein paar Dinge zusammenkamen. Und auf einmal erscheint ein Königsmord dann doch noch denkbar. Möglicher Showdown: an diesem Freitag.

Medienbericht belebt die „Tennis-Affäre“ wieder

Es ist ein weiterer Medienbericht, der am Dienstag eine neue Dynamik in der „Tennis-Affäre“ auslöst. Der „Tagesspiegel“ hat erneut Informationen zu Wegners Kommunikation am ersten Blackout-Tag freigeklagt, dem 3. Januar 2026.

Es ist der Tag, von dem Wegner anfangs behauptet hatte, dass er sich „zu Hause eingeschlossen“, den ganzen Tag telefoniert und koordiniert habe. Er habe „in der Tat um 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen“. Als bekannt wurde, dass er Tennis gespielt hatte, begründete er dies mit den inzwischen berüchtigten Worten, er habe „den Kopf freibekommen“ müssen.

An diesem Dienstag jedoch berichtet der „Tagesspiegel“, die Senatskanzlei habe auf gerichtliche Anordnung hin erklärt, dass „vor 12.45 Uhr kein Telefonat geführt“ wurde. „Vielmehr fand der Austausch per Textnachrichten statt.“ Erst um 12.45 Uhr telefonierte Wegner demnach mit seiner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey.

Es ist streng genommen zwar nur die Bestätigung eines Eingeständnisses, das Wegner selbst schon Ende März im Gespräch mit der „B.Z.“ gemacht hatte. Damals berichtete er dem Blatt, die erste SMS von seiner Innensenatorin Iris Spranger um 8.07 Uhr bekommen zu haben und dann zunächst per Textnachrichten mit seinem Stab kommuniziert zu haben. Einzig der Zeitpunkt des Telefonats mit Giffey um 12.45 Uhr taucht in dem „B.Z.“-Bericht so konkret noch nicht auf.

Umfrage zeigt den möglichen Machtverlust

Trotzdem facht der „Tagesspiegel“-Text am Dienstag die Affäre erneut an. Überregionale Medien schreiben Kommentare; sie sind wieder mal wenig vorteilhaft für Wegner.

Die Nervosität in der Berliner CDU wächst wieder, teils wirkt sie wie Panik. Das liegt wohl auch an einer Umfrage, die kurz vorher am 1. Juli öffentlich wurde. Beim renommierten Institut Infratest dimap sackt die CDU auf 17 Prozent ab, hinter die Linke, hinter die Grünen, hinter die AfD. Und vor allem: mit der Aussicht auf eine rot-grün-rote Mehrheit gegen sich. Der Machtverlust der CDU droht.

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