Italo-Züge über Frankfurt?

Italienischer Anbieter fordert die Bahn heraus


02.06.2026 – 18:09 UhrLesedauer: 2 Min.

Schnellzug des italienischen Anbieters Italo (Archivbild): Das Unternehmen möchte nach Deutschland expandieren – auch Frankfurt könnte dann angesteuert werden. (Quelle: IMAGO/Michael Nguyen/imago)

Die Deutsche Bahn beherrscht den Fernverkehr in Deutschland. Das könnte sich ändern: Ein italienischer Anbieter plant eine neue High-Speed-Linie über Frankfurt.

Wer mit dem Zug von Frankfurt nach München, Köln oder Dortmund fährt, sitzt fast immer in einem ICE der Deutschen Bahn. Doch das könnte sich in wenigen Jahren ändern: Das italienische Bahnunternehmen Italo, das unter anderem vom ehemaligen Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo gegründet wurde, plant einen Einstieg in den deutschen Markt.

Nach den bisherigen Plänen sollen ab dem Frühjahr 2028 Hochgeschwindigkeitszüge im Stundentakt auf der Strecke München–Frankfurt–Köln–Dortmund verkehren. Zudem ist eine Verbindung von München über Berlin nach Hamburg vorgesehen. Insgesamt sollen dafür 30 neue Züge und 56 tägliche Verbindungen eingesetzt werden.

Streit um die Gleise

Noch ist allerdings offen, ob die Pläne überhaupt umgesetzt werden können. Italo fordert von der Bundesnetzagentur Änderungen bei der Vergabe der sogenannten Trassen. Dabei handelt es sich um die Zeitfenster, in denen Züge bestimmte Strecken nutzen dürfen.

Die Italiener wünschen sich langfristige Planungssicherheit durch mehrjährige Verträge und eine Reservierung von Kapazitäten für neue Wettbewerber. Eine Entscheidung der Bundesnetzagentur steht noch aus.

Deutsche Bahn warnt vor Folgen

Bei der Deutschen Bahn stößt das Vorhaben auf Kritik. Der Konzern befürchtet, dass Konkurrenten vor allem die besonders lukrativen Strecken zwischen großen Städten bedienen könnten. Weniger profitable Fernverkehrsverbindungen in kleinere Städte könnten dadurch unter Druck geraten.

Ex-Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo gründete Italo 2012 (Archivbild) als Konkurrenz zur italienischen Staatsbahn, zunächst unter dem Titel ntv. (Quelle: IMAGO/ABACA/imago)

Zudem verweist die Bahn auf das ohnehin stark belastete Schienennetz. Schon heute sind Baustellen und eine marode Infrastruktur regelmäßig für Verspätungen verantwortlich. Im Mai erreichten nur rund 61 Prozent der Fernverkehrszüge ihr Ziel pünktlich.

Mehr Wettbewerb auf der Schiene?

Italo verspricht dagegen günstigere Preise, mehr Komfort und besseren Service. Nach Einschätzung des Unternehmens könnte die Nachfrage im Fernverkehr durch stärkeren Wettbewerb deutlich steigen.

Nicht nur die Italiener wollen die Dominanz der Deutschen Bahn angreifen: Auch Flixtrain plant ab 2028 eine große Expansion und hat dafür dutzende neue Fernzüge bestellt.

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