Nein, der Bundestrainer darf nicht mehr wegschauen
Selbst den besten Torhütern unterläuft hin und wieder ein Lapsus, der dann für gewöhnlich gleich ein Riesenthema wird. Es spricht also für Manuel Neuer, dass der Aufschrei nach seinen jüngsten Patzern weitgehend ausbleibt. Neuer hat sich in 20 Jahren einen außergewöhnlichen Status erarbeitet, weil er das Torwartspiel revolutioniert und zu Recht unzählige Titel und Auszeichnungen gewonnen hat.
Mit dem Wegschauen muss jetzt allerdings Schluss sein. Zeit, aufzuwachen und sich kritisch mit Neuers Leistungen auseinanderzusetzen.
Denn die waren zuletzt eines deutschen Nationaltorhüters unwürdig.
Gegen die Ukraine verunglückte Neuer in der 88. Minute ein Chipball, der das 0:1 und die Niederlage bedeutet hätte, wenn der Gegner den Angriff ohne Abseitsstellung finalisiert hätte. Vor ein paar Jahren wäre Neuer das niemals passiert. Im letzten Bundesligaspiel verschuldete er drei der vier Gegentore gegen Hoffenheim (2:4). Sein Fehler gegen Real Madrid kostete Bayern das Champions-League-Finale. Patzt Neuer auch im Eröffnungsspiel der EM? Das Risiko ist auf jeden Fall zu groß.
Ohnehin: Neuer ist 38 Jahre alt, auf der Zielgeraden seiner Karriere und verletzungsanfällig, In der Bundesliga kassierte er acht Tore mehr, als es die Qualität der Schüsse auf sein Tor hergegeben hätte. „Expected Goals on Target“ heißt diese Statistik bei „Wyscout“. Damit ist er der drittschwächste Torwart der Liga.
Nagelsmann muss Neuer erlösen, ter Stegen oder den formstarken Nübel bringen. Er ist ohnehin der Torwart der Zukunft.
