270 Beschäftigte nach Insolvenz freigestellt
Deutscher Weltmarktführer schließt für immer
Aktualisiert am 02.12.2025 – 11:22 UhrLesedauer: 2 Min.
Albstadt war einst das Herz der schwäbischen Textilindustrie. Doch die Branche gerät zunehmend unter Druck. Jetzt macht ein dort ansässiger Maschinenbauer und ehemaliger Weltmarktführer dicht.
Der Strickmaschinenhersteller Mayer & Cie. hat seinen Geschäftsbetrieb nach 120 Jahren endgültig eingestellt. Das Amtsgericht Hechingen in Baden-Württemberg eröffnete das Insolvenzverfahren des ehemaligen Weltmarktführers, nachdem die Suche nach einem Investor erfolglos geblieben war.
Der Strickmaschinenhersteller blickt auf eine lange Geschichte zurück. Gegründet 1905, startete Mayer & Cie. 1939 die Serienfertigung einer eigenen Strickmaschine. Im Jahr lieferte das Unternehmen die 70.000. Rundstrickmaschine aus und zählte damit zu den Weltmarktführern der Branche. Bereits 2009 hatte das Unternehmen eine Planinsolvenz beantragt, die ein Jahr später aufgehoben wurde. Nun endet die Entwicklung des Traditionsbetriebs endgültig.
Mayer & Cie. hat die aktuelle Lage mit einem Umsatzeinbruch von rund 50 Prozent im vergangenen Jahr und gleichzeitig gestiegenen Kosten begründet. Wichtige Absatzmärkte gerieten zusätzlich unter Druck: In der Türkei sorge die hohe Inflation dafür, dass dortige Textilhersteller nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Zudem verstärkten staatlich geförderte Anbieter aus China den Preisdruck im Maschinenbau. Nicht zuletzt würden geopolitische Krisen wie der Krieg in der Ukraine sowie der Handelskonflikt zwischen den USA und China die weltweite Nachfrage bremsen.
Bereits 2024 startete Mayer & Cie. einen strukturierten Verkaufsprozess, der im Sommer 2025 nochmals ausgeweitet wurde. Dennoch fand sich kein strategischer oder finanzieller Investor. Generalbevollmächtigter Martin Mucha erklärte: „Trotz intensivster, weltweiter Suche konnten wir keinen Investor finden, der bereit war, in dieses traditionsreiche Unternehmen zu investieren. Bedauerlicherweise ist die Stilllegung nun die unausweichliche Konsequenz.“
Die insolvente Firma wird in vierter Generation geführt und lieferte ihre Maschinen weltweit aus. Der Standort Albstadt spürt die Belastung des Marktes schon länger: Auch der dort ansässige Textilmaschinenhersteller Groz Beckert hatte in diesem Jahr Stellen abbauen müssen. Die Lage im gesamten Segment gilt als angespannt.
In den kommenden Wochen beginnt die Verwertung des Maschinenparks, der Immobilien und der Lagerbestände. Damit endet die Geschichte eines der traditionsreichsten Maschinenbauunternehmen der Region und eines deutschen Weltmarktführers.
