AfD-Datenleak

Gefährliche Fälschungen


21.10.2026 – 20:14 UhrLesedauer: 6 Min.

AfD-Chefin Alice Weidel: Ihre Partei steckt in Erklärungsnot. (Quelle: IMAGO/Andreas Gora/imago)

Hunderttausende gestohlene Mails aus der AfD kursieren im Netz. Die Partei spielt den Leak herunter – doch die Lage ist weit ernster.

Nachdem Hunderttausende Mails aus dem Maschinenraum der AfD geklaut und veröffentlicht wurden, bemüht sich die Partei nach außen nach Kräften, den Fall herunterzuspielen. Als „ein paar Gigabyte unwichtiges Zeug“ aus „längst nicht mehr genutzten Mail-Konten“ bezeichnete zum Beispiel Hannes Gnauck, AfD-Schatzmeister und Mitglied im Bundesvorstand, den Leak am Dienstag.

Intern aber ist die Lage eine andere als Gnauck und andere Spitzenfunktionäre behaupten: Die Leitungen in der AfD-Geschäftsstelle glühen. Dort müssen nicht nur die Fragen von Journalisten, sondern auch von besorgten oder verärgerten Parteimitgliedern beantwortet werden. Dabei versucht man gerade noch, sich überhaupt einen Überblick darüber zu verschaffen, wie groß das Problem wirklich ist.

Ablesbar ist das auch an einer Email, die der AfD-Geschäftsführer Hans-Holger Malcomeß am Dienstag an alle Mitglieder und Förderer der AfD verschickte. Sie liegt t-online vor. Darin heißt es: Vor „wenigen Wochen“ sei es zu einem Hackerangriff auf einen technischen Hosting-Dienstleister der Partei gekommen, „bei dem zwei Dutzend Postfächer kompromittiert wurden“. Ein Teil dieser Daten sei nun veröffentlicht worden.

Dabei handele es sich um Schriftverkehr von drei alten Emailadressen des AfD-Bundesverbands, drei Emailadressen der AfD Nordrhein-Westfalen, zwei Emailadressen der AfD Mecklenburg-Vorpommern sowie zwei Emailadressen des AfD-Fanshops. Besonders betroffen sei der Landesverband NRW. Malcomeß schreibt weiter: Man befinde sich „weiterhin in der Auswertung der kopierten Daten, weshalb zum aktuellen Zeitpunkt noch keine abschließende Einschätzung mitgeteilt werden kann“.

Für die AfD ist das Leak allerdings schon jetzt ein Problem. Und zwar ein doppeltes. Erstens stellt sich mit Blick auf den Datenschutz und die IT-Sicherheit die Frage, ob die Parteizentrale Fehler gemacht hat, die noch Konsequenzen für sie haben könnte. Zweitens bergen die Mails, die nun in Massen an die Öffentlichkeit geraten, für sie einigen parteiinternen Sprengstoff.

Auch für die öffentliche Debatte stellt sich jetzt ein Problem: Denn noch bevor der riesige Datensatz von Journalisten und Experten umfassend ausgewertet werden konnte, kursieren schon jetzt Screenshots vermeintlich skandalöser Emails von AfD-Funktionären. Die sollen angeblich aus dem Leak stammen, sind darin aber gar nicht zu finden. Diese Screenshots wurden am Dienstag und am Mittwoch in den sozialen Netzwerken häufig geteilt – teils auch verbunden mit der Aufforderung nach einem Verbot der Partei.

AfD-Geschäftsführer Hans-Holger Malcomeß: Die Leitungen glühen in der Parteizentrale. (Quelle: IMAGO/Sammy Minkoff/imago)

Hitler, Vergewaltigungen: Fakes mit hoher Reichweite

So bekam Johannes Wagner, Bundestagsabgeordneter der Grünen, auf Instagram 140.000 Likes für einen Beitrag mit drei vermeintlichen Zitaten. „Die Enthüllungen um die AfD-E-Mails zeigen und belegen unfassbare Aussagen“, kommentierte Wagner. Nur: Die „Enthüllungen“ hatte noch kein Medium verifiziert. Wagner war offenbar hereingefallen auf frei erfundene Mails, die seit Dienstag kursieren.

Wer diese Beiträge mit welcher Motivation zuerst in Umlauf gebracht hat, konnte t-online noch nicht zurückverfolgen. Von AfD-Unterstützern werden die Fakes genutzt, um die Glaubwürdigkeit des gesamten Leaks in Frage zu stellen. Die ersten tatsächlich echten Belege von Mails, die große Aufmerksamkeit bekamen, hatte am späten Montagabend „International Cyber Digest“ veröffentlicht, ein Portal für Cybersicherheitsnachrichten. Die Screenshots, die danach auftauchten, sind stark an diese Optik angelehnt.

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