Die CDU und ihr Kanzler stecken im Umfragetief, die Partei hadert mit dem richtigen Kurs. Im Interview erklärt Generalin Franziska Hoppermann, was für sie die CDU von morgen ist – und was sie von einer möglichen Bundespräsidentin Aigner hält.

Es ist ein phänomenaler Ausblick, den Franziska Hoppermann aus ihrem Büro im fünften Stock des Konrad-Adenauer-Hauses hat. Im nahen Berliner Tiergarten färben sich die Blätter von Grün zu Gelb, Orange und Rot, die Sonne am strahlend blauen Himmel lässt die Farben noch stärker leuchten. Viel Zeit zum Rausgucken? Hoppermann schüttelt den Kopf. Eher nicht.

Seit rund 100 Tagen ist die 44-Jährige jetzt Generalsekretärin ihrer Partei. Zwei heftige Wahlschlappen musste sie bereits nach außen erklären und zugleich nach innen eine aufgewühlte Partei befrieden, die ihrem Selbstverständnis nach immer noch eine Volkspartei ist, zuletzt jedoch sogar den Einzug in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern verpasste. Und deshalb zwischenzeitlich gar über einen Kanzlertausch nachdachte.

t-online hat Hoppermann zum Gespräch nach dem Treffen der CDU-Kreisvorsitzenden mit der Parteiführung Anfang der Woche getroffen und vor der offiziellen Kür einer Kandidatin für das Bundespräsidentenamt, bei der sich Kanzler Merz dem Vernehmen nach auf Ilse Aigner festgelegt hat. Welchen Weg aus dem Umfragetief sieht Hoppermann? Ist Friedrich Merz noch der Richtige? Und wie blickt Hoppermann auf Aigner?

t-online: Frau Hoppermann, wie groß ist die Gefahr, dass die CDU als Volkspartei verschwindet?

Franziska Hoppermann: Diese Gefahr sehe ich nicht. Die CDU ist und bleibt eine starke Volkspartei – auch wenn wir momentan in den Umfragen nicht dort stehen, wo wir gern stünden. Wir haben eine breite Parteibasis mit mehr als 350.000 Mitgliedern, wir sind weiterhin tief verwurzelt in der Gesellschaft. Und die Rückmeldung, die ich von Bürgern bekomme, ist: Die CDU wird gebraucht.

Franziska Hoppermann: Sie führt für Parteichef und Kanzler Friedrich Merz seit Juli die Geschicke in der CDU-Zentrale. (Quelle: Thomas Imo/t-online)

Ihre Partei ist erstmals am Einzug in einen Landtag gescheitert, steht in bundesweiten Umfragen teils unter 20 Prozent. Wie konnte es so weit kommen?

Wir leben in unglaublich polarisierenden Zeiten, die zu einer polarisierten Parteienlandschaft führen. Viel hat mit geopolitischen Veränderungen zu tun. Wenn nach einer Wahl in Sachsen-Anhalt Wladimir Putin und Elon Musk die ersten sind, die der AfD gratulieren, zeigt das, wie stark unsere Gesellschaft von außen unter Druck gerät – und wie sehr die extremen Ränder erstarken, während die Mitte schrumpft. Das geht auch an der CDU nicht spurlos vorbei. Mich besorgt das zutiefst.

Nur scheinen Sie noch nicht zu wissen, wie es wieder besser wird. Die CDU wirkt in diesen Wochen geradezu ratlos. Anfang der Woche haben Sie die Lage mit den rund 330 Kreisvorsitzenden der CDU erörtert. Was nehmen Sie von dem Treffen mit?

Die Diskussion mit den Kreischefs war wirklich gut. Teils ging es sehr in die Tiefe des Parteimaschinenraums. Wie kann das Adenauer-Haus die Kreisverbände entlasten? Wie lässt sich die ehrenamtliche Basisarbeit besser unterstützen? Dann aber waren auch große strategische Fragen dabei: Wie können wir den Eindruck verhindern, dass die Menschen gefühlt eine Mitte-links-Politik bekommen, obwohl sie mehrheitlich Mitte-rechts gewählt haben? Das waren sehr konstruktive Gespräche.

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