Berlin–Hamburg ist zurück

Nach zehn Monaten rollt der ICE wieder direkt

12.06.2026 – 04:06 UhrLesedauer: 2 Min.

Fahrgäste steigen in Berlin in einen ICE ein (Symbolbild): Am Sonntag soll die Strecke Berlin-Hamburg freigegeben werden. (Quelle: IMAGO/Arnulf Hettrich/imago)

Zehn Monate Umweg, 45 Minuten Mehrfahrzeit im Fernverkehr, mehr als 200 Ersatzbusse: Der direkte ICE von Berlin nach Hamburg kehrt zurück.

Die wichtigste Direktverbindung im Fernverkehr zwischen zwei deutschen Städten ist zurück: Am Sonntag gibt die Deutsche Bahn die rund 280 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg nach zehneinhalb Monaten Generalsanierung auf voller Länge wieder frei. Fernzüge fahren dann wieder im gewohnten Halbstundentakt – ohne Umleitung über Stendal, ohne 45 Minuten Mehrdauer im Fernverkehr, ohne Ersatzbus.

Rund 30.000 Fahrgäste nutzten die Verbindung vor der Sanierung täglich im Fernverkehr, darunter viele Berlinerinnen und Berliner, die regelmäßig zwischen den beiden Metropolen pendeln.

Halbstundentakt und leicht längere Fahrzeit

Bis Ende des Monats fahren ICE-Züge abschnittsweise noch langsamer, weil Technik getestet wird. Die planmäßige Fahrzeit verlängert sich nach vollständigem Abschluss der Sanierung um zwei Minuten auf 107 Minuten.

Eine Bahnsprecherin verwies auf den dichteren Verkehr als Grund: „Das ist wie auf der Straße. Wenn viele Autos unterwegs sind, wird langsamer gefahren.“ Die Änderung gilt vorerst nur für den diesjährigen Fahrplan. Die Bahn erwartet, dass jede Sanierung das Gesamtnetz stabiler macht: „Das wirkt sich auf die Pünktlichkeit insgesamt aus.“

Frost als Ursache der Verzögerung

Geplant war, die Sanierung bis zum 30. April 2026 zu beenden – rund eineinhalb Monate früher als nun tatsächlich. Frost zu Jahresbeginn machte den Zeitplan zunichte: Kabelschächte konnten nicht ausgehoben, Arbeiten an Oberleitungen nur eingeschränkt durchgeführt werden. Begonnen hatte das Vorhaben am 1. August 2025. Mitte Mai gab die Bahn bereits einen ersten Abschnitt frei; seitdem verkehren Züge wieder zwischen Hamburg und Schwerin.

Saniert wurden Gleise, Weichen und Signale sowie 28 Bahnhöfe – inklusive Toiletten, Wetterschutzhäuser und Fahrradständer. Mehrere Bahnsteige wurden verlängert, um längeren Zügen das Halten zu ermöglichen. Den Streckenzustand bewertete die Bahn vor Beginn der Arbeiten mit der Note 3,7, prognostizierte danach eine 2,3.

Kosten noch unbekannt, ETCS auf später verschoben

Was die Generalsanierung kostet, ist noch offen. Angedacht waren 2,2 Milliarden Euro, doch eine aktualisierte Zahl nannte der staatseigene Konzern nicht – die abschließende Ermittlung erfolge erst nach Abschluss aller Arbeiten.

Kritik gab es zudem an einer ausgebliebenen technischen Erneuerung: Das europäische Zugsteuerungssystem ETCS, das Züge dichter hintereinanderfahren lassen würde und das nach EU-Vorstellung Standard werden soll, wird trotz ursprünglicher Planung vorerst nicht eingesetzt. „Eine Ausrüstung mit ETCS wird in den frühen 2030er-Jahren erfolgen“, teilte die Bahn mit. Vorbereitungen dafür seien getroffen worden.

Sanierung Teil des Programms Korridorsanierung Hochleistungsnetz

Der Verband Güterbahnen zog für die Sanierungsphase eine kritische Bilanz: „Wenn ich eine Strecke dicht mache, müssen die Umleiter funktionieren“, sagte eine Verbandssprecherin. „Das hat in diesem Fall nicht gut funktioniert.“ Ausweichstrecken seien teils nicht ausreichend ertüchtigt gewesen; kurzfristige Baustellen und Störungen hätten zu Umwegen von mehreren Hundert Kilometern geführt.

Die Sanierung ist Teil des Programms Korridorsanierung Hochleistungsnetz, mit dem die Bahn bis Mitte der 2030er Jahre mehr als 40 Strecken erneuern will. Noch in diesem Jahr sollen vier weitere Generalsanierungen abgeschlossen werden: auf den Strecken Hagen–Wuppertal–Köln, Nürnberg–Regensburg, Obertraubling–Passau und Troisdorf–Wiesbaden.

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