Panne im Fernverkehr
ICE rauscht an Halt vorbei: Gewerkschaft warnt vor Technik-Lücke
19.10.2026 – 18:43 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein ICE aus Frankfurt überfuhr am Sonntag den Bahnhof Fulda, ohne zu halten. Nun meldet sich die Lokführergewerkschaft zu Wort – und fordert eine Konsequenz.
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat nach dem Vorfall in Fulda eine technische Lücke im Bahnbetrieb benannt. Ein planmäßiger Halt an einem Bahnhof sei bislang nicht so abgesichert wie etwa das Anhalten vor einem roten Signal, berichtete die Deutsche Presse-Agentur. Die GDL fordert deshalb eine technische Erinnerungsfunktion für Lokführer.
GDL-Chef Mario Reiß sagte: „Wenn unterschiedliche Züge auf derselben Strecke unterschiedliche Haltemuster haben, wäre eine eindeutige optische oder akustische Erinnerung an den nächsten planmäßigen Halt durchaus sinnvoll.“ Er ergänzte: „Wir sichern im Eisenbahnsystem sicherheitskritische Vorgänge technisch sehr weitgehend ab. Bei einem vergessenen planmäßigen Halt existiert eine vergleichbare Rückfallebene bislang nicht.“
Vorfall mit ICE 596: Halt in Fulda ausgelassen
Nach Angaben der Deutschen Bahn hatte der Lokführer eines voll besetzten ICE auf dem Weg von Frankfurt/Main nach Berlin den Stopp in Fulda versehentlich ausgelassen. Der ICE 596 hielt stattdessen in Hünfeld, einer rund 18 Kilometer entfernten Kleinstadt in Osthessen. Reisende mit Ziel Fulda mussten dort aussteigen und mit einem Regionalzug zurückfahren. Weil der Fernzug für den Bahnsteig zu lang war, blieben die Türen der Wagen der ersten Klasse in Hünfeld geschlossen. Die Fahrgäste der ersten Klasse konnten den Zug über die Türen der zweiten Klasse verlassen. Wie viele Passagiere betroffen waren, teilte die Bahn nicht mit. Die DB entschuldigte sich und stellte eine Entschädigung im Rahmen der Fahrgastrechte in Aussicht.
Reiß betonte, ein vergessener Halt wie in Fulda sei bei rund 700 bis 800 täglichen Zugfahrten im Fernverkehr „eindeutig die Ausnahme“. „Es wäre deshalb falsch, aus dem Vorfall in Fulda den Eindruck abzuleiten, Lokomotivführer würden regelmäßig ihre Halte verpassen.“ Ein Bahn-Sprecher verwies darauf, dass es täglich rund 10.000 Halte im Fernverkehr gebe.
Mehr Abweichungen im Betrieb erhöhen die Belastung
Reiß verwies zugleich auf wachsende Komplexität im Betriebsalltag. Züge auf derselben Strecke hätten „keinesfalls dasselbe Haltemuster“. Baustellenfahrpläne, Umleitungen, kurzfristige Änderungen und Störungen kämen hinzu. Jede dieser Situationen sei grundsätzlich beherrschbar. Je mehr Abweichungen aber zusammenkämen, desto höher würden Arbeitsbelastung und potenzielle Fehlerquellen. Fahrerassistenz solle deshalb nicht nur Energie sparen und Fahrzeiten optimieren, sondern auch dort weiterentwickelt werden, wo sie Lokführer im Alltag konkret entlasten könne. Eine Erinnerung an bevorstehende planmäßige Halte könne dazu gehören.