„Nehme das anders wahr“
Lanz widerspricht Holocaust-Überlebender
15.05.2026 – 03:08 UhrLesedauer: 4 Min.
Markus Lanz hat mit der Auschwitz-Überlebenden Eva Umlauf über Antisemitismus in Deutschland gesprochen. In einem Punkt widerspricht er ihr.
Antisemitische Straftaten haben in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Markus Lanz hat mit seinen Gästen unter anderem über die Ursachen gesprochen. Ob sich in der deutschen Gesellschaft etwas verändert habe, wollte er von der Shoah-Überlebenden Eva Umlauf wissen. „Natürlich hat sich was verändert“, erklärte die 83-Jährige. Antisemitismus habe es zwar schon immer gegeben, doch jetzt sei er „salonfähig“ geworden, so Umlauf. „Jetzt darf man das sagen – und zwar laut!“
Gäste
- Eva Umlauf, Shoah-Überlebende
- Ruth-Anne Damm, Mitgründerin von Zweitzeugen e.V.
- Oliver von Wrochem, Historiker
Auf Nachfrage lieferte sie ein Beispiel aus ihrem persönlichen Umfeld. So habe eine Frau, mit der sie über 50 Jahre lang befreundet gewesen sei, zu ihr gesagt, Juden seien nur durch die Wiedergutmachungszahlungen Deutschlands reich geworden. Das habe sie wohl schon lange gedacht, aber nun auch den Mut gehabt, es offen auszusprechen, so Umlauf. Die steigende Zahl antisemitischer Straftaten führte sie auch darauf zurück, dass oft keine Bestrafung zu befürchten sei, so die Autorin. Die Gesetze gebe es zwar, „aber niemand beachtet sie“.
„Was meinen Sie?“, hakte Lanz nach. Umlauf erläuterte ihre Position anhand ihres persönlich Erlebten. Sie werde ihre ehemalige Freundin wohl kaum verklagen wegen deren antisemitischer Äußerung, so die 83-Jährige. „Wird sie bestraft, wenn sie in meinem Alter ist? Das ist eine Illusion“, führte sie aus. Auch wolle sie keine Strafe für die Frau, da sie deren Denkweise wohl sowieso nicht ändern könne. Lanz zeigte sich überrascht: In seinem Umfeld erlebe er niemanden, der sich traue, antisemitische Äußerungen laut auszusprechen, erklärte er.
Holocaust-Überlebende korrigiert Lanz
Auch an anderer Stelle unterschied sich seine Wahrnehmung von der der Auschwitz-Überlebenden. In ihrem Buch schreibe sie, dass nichts die deutsche Gesellschaft so sehr triggere wie Israel. „Warum?“, wollte Lanz wissen. In der Bundesrepublik unterscheide man nicht zwischen Israel und den Juden, erklärte Umlauf. Kritik an der israelischen Regierung richte sich pauschal gegen jüdische Bürger?, hakte Lanz nach. „Ja!“, bestätigte Umlauf. Antisemitismus spiegele sich auch darin, dass jüdische Schulen und Kindergärten einen besonderen Sicherheitsschutz bräuchten. „Weil wir nicht wollen, dass wir tote Kinder haben – und die werden wir haben“, so Umlauf.
Sie glauben, dass die Mehrheit in diesem Land nicht differenziert zwischen dem, was die Regierung macht und dem, was Menschen jüdischen Glaubens machen?, fragte Lanz noch einmal nach und fügte hinzu: „Also ich nehme das anders wahr.“ Gäste in seiner Sendung erlebe er als sehr bemüht darum, Israels Regierung von der jüdischen Glaubensgemeinschaft abzugrenzen. „So differenziert ist es nicht, glauben Sie mir“, antwortete Umlauf.
