Angebot an Sahra Wagenknecht
Höckes Neid und Siegmunds Ärger
13.08.2026 – 17:20 UhrLesedauer: 5 Min.

Björn Höcke hofiert Sahra Wagenknecht in aller Öffentlichkeit. Damit stößt er seine Kollegen in Sachsen-Anhalt, die gerade um jeden Prozentpunkt kämpfen, vor den Kopf. Deren Erklärung für Höckes Verhalten: Neid.
Bei den AfD-Wahlkämpfern in Sachsen-Anhalt ist der Ärger über Björn Höcke am Donnerstag groß. Der Thüringer AfD-Landeschef wolle sich nur „ins Gespräch bringen“, kritisiert ein AfD-Politiker aus Sachsen-Anhalt im Gespräch mit t-online scharf. „Er hat Angst, in Vergessenheit zu geraten. Dass ihm andere den Rang ablaufen.“
Der, der gerade im Begriff ist, Höcke den Rang abzulaufen, ist Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD Sachsen-Anhalt. Er ist jünger, unverbrauchter als Höcke und tritt viel nahbarer auf als dieser. Bei den Wählern kommt das gut an. In wenigen Wochen hat Siegmund so in Sachsen-Anhalt eine realistische Chance darauf, zu schaffen, woran Höcke seit Jahren arbeitet: erster Ministerpräsident der AfD zu werden.
Doch es ist ein knappes Rennen. Auf jeden Prozentpunkt kommt es an, will die AfD in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit erreichen. Und Höcke, so sieht man es in der AfD dort, hilft ihnen bei diesem Kampf nicht. Im Gegenteil.

Höckes Angebot an Sahra Wagenknecht
Der aktuelle Grund für den Ärger in der AfD Sachsen-Anhalt ist ein Angebot, das Höcke am Mittwochabend an das BSW richtete. Per Selfie-Video, auf X gepostet, bot er da Sahra Wagenknecht an: Er reiche ihr die Hand und wolle sie zur Ministerpräsidentin in Thüringen machen.
Hintergrund ist ein geplantes Misstrauensvotum von Höckes AfD gegen den amtierenden Thüringer CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt wegen einer Plagiatsaffäre. AfD und BSW hätten im Freistaat gemeinsam tatsächlich die Mehrheit, Voigt ab- und einen neuen Ministerpräsidenten einzusetzen.
Doch Wagenknecht schlug Höckes Angebot nach einem halben Tag rundweg aus, ebenfalls per Post auf X. Aus guten Gründen.
Denn es ist ein vergiftetes Angebot: Das BSW wäre in einer solchen Konstellation vollständig von Höckes sehr viel stärkerer AfD abhängig. Und Wagenknecht hat über das Thüringer BSW keine Verfügungsgewalt: Schärfer als viele andere Landesverbände distanziert sich das BSW in Thüringen, das dort unter Führung der ehemaligen Linken-Politikerin Katja Wolf mit CDU und SPD in der Regierung sitzt, von Höckes AfD – und häufig auch von der eigenen Frontfrau Wagenknecht.
Wagenknecht räumte das am Donnerstag in ihrem Post selbst ein: „Unehrlich“ sei Höckes Angebot an sie, schrieb sie da. „Weil er weiß, dass die Mehrheit derer, die auf BSW-Ticket im Thüringer Landtag sitzen, in Opposition zum Bundesvorstand stehen und mich nicht wählen würden.“