Vor allem diese Reize beeinflussen
Hochsensible reagieren nicht auf alles empfindlich
17.10.2026 – 10:09 UhrLesedauer: 3 Min.
Lärm, Gerüche, Hitze: Hochsensible gelten als besonders durchlässig für Reize aller Art. Doch eine neue Studie widerspricht dieser gängigen Vorstellung.
Wer sich als hochsensibel bezeichnet, meint damit meist, dass er Sinneseindrücke intensiver wahrnimmt und stärker darauf reagiert als andere. Doch ist das wirklich so? Forscher der Washington State University haben das näher untersucht. Sie wollten wissen: Welche Eindrücke wirken sich bei hochsensiblen Menschen besonders stark auf ihre Gefühle aus?
Das Ergebnis: Vor allem das soziale Umfeld spielt eine Rolle – etwa ob sich jemand sicher fühlt oder freundliche Begegnungen erlebt. Andere Reize wie Lärm, Temperatur und Luftqualität hingegen schienen bei den Hochsensiblen keinen so starken Einfluss auf die Stimmung zu haben.
So lief die Studie ab
Für ihre Untersuchung warben die Forscher über soziale Medien und Onlineportale wie Facebook, Craigslist und Reddit Einwohner Chicagos an. Laut einer früheren Fassung der Studie meldeten sich 426 Erwachsene im Alter zwischen 18 und 73 Jahren. Neun schlossen die Wissenschaftler wegen möglicherweise unzuverlässiger Angaben aus.
Zunächst sollten die Teilnehmer in einem Fragebogen Auskunft darüber geben, wie stark die Neigung zur Hochsensibilität bei ihnen ausgeprägt war. Anschließend sollten sie zwei Wochen lang per Smartphone-App wiederholt ihre Umgebung beurteilen – an verschiedenen Orten im Freien, etwa in öffentlichen Parks.
Dabei ging es um konkrete Eindrücke: Wie laut ist es? Wie angenehm ist die Temperatur? Wie sauber ist die Luft? Fühle ich mich sicher? Wirkt die Umgebung ordentlich? Wie viele Menschen sind in der Nähe und wie gehen sie miteinander um?
Zugleich hielten die Teilnehmer fest, welche positiven oder negativen Gefühle sie gerade empfanden. So konnten die Forscher untersuchen, wie die Wahrnehmung der Umgebung mit der momentanen Stimmung zusammenhing.
Welche Eindrücke Hochsensible stärker beeinflussen
Die zentrale Frage war dabei, ob dieser Zusammenhang bei Menschen mit hohen Sensibilitätswerten stärker ausfiel. Ein Beispiel: Ein Teilnehmer fühlt sich an einer Straße sicher und ist gut gelaunt. An einem anderen Ort empfindet er die Umgebung als bedrohlich und berichtet von negativen Gefühlen. Ist dieser Unterschied bei Hochsensiblen größer als bei anderen?
Mehr als 3.800 App-Befragungen flossen in die Untersuchung ein. Die Analyse der Daten legt nahe: Bei Menschen mit höheren Sensibilitätswerten hängt die Stimmung offenbar stärker mit wahrgenommener Sicherheit, Ordnung und sozialen Begegnungen zusammen.
Fühlten sich hochsensible Teilnehmer sicher, empfanden sie ihre Umgebung als ordentlich oder erlebten sie freundliche Begegnungen, ging das vergleichsweise stärker mit positiven Gefühlen einher. Die Wahrnehmung von Unsicherheit und Unordnung stand dagegen enger mit negativen Gefühlen in Verbindung.
Bei physischen Umweltbedingungen zeigte sich dieser Unterschied nicht: Ob die Teilnehmer Lärm, Temperatur oder Luftqualität als angenehm oder unangenehm empfanden, hing bei Hochsensiblen nicht nachweisbar stärker mit ihrer Stimmung zusammen als bei anderen.
Was lässt sich aus den Ergebnissen schließen?
Hochsensibilität bedeutet demnach nicht zwangsläufig, auf jeden Umweltreiz emotional stärker zu reagieren. Studienleiterin Kimberly Meidenbauer resümiert in einer Pressemitteilung: „Es scheint eher um das soziale Umfeld zu gehen als um die physische Umgebung.“
