Italien, Frankreich & Co.

Haus für einen Euro in Europa kaufen: Das ist der Haken


19.05.2026 – 14:34 UhrLesedauer: 5 Min.

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Eine alte, verlassene Immobilie: Solche Gebäude werden in Italien seit Jahren für einen symbolischen Preis verkauft. Doch es gibt einen Haken. (Quelle: Copyright: xDreamstimexGuarantx /imago)

Viele Deutsche träumen von einem Leben – oder dem Ruhestand – in einem südeuropäischen Land wie Italien. Immobilien gibt es auch mal für einen Euro. Aber lohnt sich das wirklich?

Waren Sie schon mal im Urlaub in Süditalien und wollten nicht mehr nach Hause? Vielleicht waren Sie sogar in einem Ort, der damit wirbt, bestimmte Häuser zu einem symbolischen Preis von einem Euro zu verkaufen. Da klingt es noch verlockender: Ein sanierungsbedürftiges Haus in Italien kaufen und renovieren – und dann das Dolce Vita genießen.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Die 1-Euro-Häuser gibt es mittlerweile seit zehn, in manchen Regionen sogar seit 15 Jahren. Und mittlerweile reicht das Programm weit über die italienischen Grenzen hinaus: Es gibt Berichte von Schnäppchenhäusern in Spanien, Kroatien, Frankreich und sogar in der Schweiz.

Ins Leben gerufen wurde die Idee von einem Bürgermeister auf Sizilien, der sich damit erhoffte, seine Kleinstadt zu revitalisieren, wenn finanzstarke Investoren in die Region kommen und die heruntergekommenen Gebäude sanieren. Seitdem haben Kommunen in ganz Europa den Vorschlag aufgegriffen und bringen immer wieder 1-Euro-Häuser auf den Markt.

Haus für einen Euro ist mindestens eine Ruine

Auch 2026 gibt es zahlreiche Häuser für den symbolischen Preis. Allein in der sizilianischen Gemeinde Mussomeli stehen gerade acht Häuser zum Verkauf, zwischen 40 und 100 Quadratmeter groß. Und wer sich die Bilder der Immobilien anschaut, erkennt sofort, warum sie nur einen Euro kosten: Es handelt sich vielfach um Ruinen, kaum begehbar, geschweige denn bewohnbar.

Das ist auch die erste Information, die Interessenten in den vielen Blogs, Webseiten und Online-Artikeln zu den 1-Euro-Häusern an die Hand gegeben wird. Die Häuser sind teilweise schon seit Jahrzehnten oder sogar hundert Jahren unbewohnt. In einem Erfahrungsbericht schreibt Chris Ellis Sobolev, der einen Gastbeitrag auf der Webseite „italymammamia.com“ veröffentlicht hat: „In unserem Dorf hat eine Person eine Ruine gekauft und war dann überrascht, dass es kein fließendes Wasser gibt.“ Als das Haus gebaut wurde, gab es das schlicht nicht. Viele der Gebäude haben keine Dächer mehr, oder die Wände müssen neu errichtet werden.

Das sind die Bedingungen für die Billighäuser

Darüber hinaus handelt es sich bei den 1-Euro-Häusern um kommunale Projekte, die je nach Ort an bestimmte Bedingungen geknüpft sein können. In Mussomeli müssen Käufer zum Beispiel innerhalb eines Jahres einen Renovierungsplan aufstellen und, sobald eine Baugenehmigung für das Projekt vorliegt, innerhalb von zwei Monaten mit dem Sanieren beginnen. Insgesamt haben die Käufer drei Jahre Zeit, um das Haus vollständig zu sanieren.

In manchen Orten gibt es weitere Bedingungen, wie zum Beispiel eine Pflicht, nur ortsansässige Handwerker mit den Renovierungsarbeiten zu beauftragen; oder man muss sich verpflichten, dann auch dort zu wohnen – und nicht etwa das Haus in eine Ferienwohnung umzuwandeln. Viele Kommunen verlangen noch eine „Kaution“, die zurückgezahlt wird, wenn der Käufer das gekaufte Haus tatsächlich renoviert hat.

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