WM 2026 – Neuseelands letzte Chance

Kegeln Sie jetzt die „Roten Teufel“ raus?


Aktualisiert am 26.06.2026 – 14:50 UhrLesedauer: 4 Min.

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Routinier und Sturmtank: Auf Chris Wood ruhen die Hoffnungen von ganz Neuseeland. (Quelle: IMAGO/Jacques Feeney / Offside/imago)

Neuseeland ist der Underdog der WM und blieben bislang sieglos. Dennoch können die „All Whites“ noch immer Historisches schaffen.

Für Tobias Escher, einen der profiliertesten deutschen Fußball-Taktikexperten, ist Neuseeland der schwächste Teilnehmer der WM 2026. Nationaltrainer Darren Bazeley dagegen glaubt: „Wenn alle unsere Spieler fit und verfügbar sind und auf ihrem Topniveau spielen, können wir mit jedem mithalten und jeden schlagen.“

Das gelang in den ersten beiden Spielen noch nicht. Nach dem 2:2 zum Auftakt gegen den Iran, verlor Neuseeland im zweiten Gruppenspiel gegen Ägypten trotz früher Führung mit 1:3. Die gute Nachricht für die „All Whites“: Trotz nur eines Punktes haben sie noch immer die Chance, erstmals bei einer WM die K.o.-Runde zu erreichen. Dazu bedarf es eines Sieges gegen die bislang enttäuschenden Belgier (2 Remis) im abschließen Gruppenspiel.

So hat sich Neuseeland für die Weltmeisterschaft qualifiziert

Der Weg nach Nordamerika war für die neuseeländische Nationalmannschaft, auch „All Whites“ genannt, ein Selbstläufer. In der Ozeanien-Qualifikation gab es keine Niederlage, das Finale gegen Neukaledonien wurde souverän gewonnen. Die Mannschaft von Darren Bazeley dominierte Ball und Gegner, ließ kaum Chancen zu und spielte ihre körperliche Überlegenheit konsequent aus.

Das sind die wichtigsten Spieler von Neuseeland

  • Chris Wood (Nottingham Forest, Marktwert c.a. 5 Millionen Euro): In der Premier-League-Saison 2024/25 brillierte der Stürmer von Nottingham Forest, lag mit seinen 20 Treffern auf dem geteilten vierten Platz der Torjägerliste. In dieser Spielzeit bremste ihn aber eine Knieverletzung mit anschließender Operation lange aus. „Es ist nicht so gelaufen, wie wir es uns vorgestellt hatten“, sagt der 34-Jährige über seine Leidenszeit. Im Saisonendspurt kehrte er endlich auf den Platz zurück – und knipste sofort wieder. Nach seiner WM-Premiere vor 16 Jahren will Wood damit auch auf der größten Bühne weitermachen. Tempo war nie seine Stärke – „ich bin nicht einer mit irrem Speed, also verliere ich ihn auch nicht“, sagt er selbst. Schwachpunkt: Kommt der Ball nicht, hängt er in der Luft.
  • Elijah Just (Motherwell, Marktwert ca. 2,5 Millionen Euro): Just ist der Kreativkopf, oft auf dem rechten Flügel oder als Zehner unterwegs. 1,74 Meter klein, aber kopfballstark und trickreich in engen Räumen. 2025/26 wurde er in Schottland zum Spieler des Jahres gewählt. Justs Weg führte von der Tribüne als Fan zum Stammspieler im Nationaltrikot – das Quali-Finale gegen Neukaledonien erlebte er mit seinen Eltern im Stadion. Schwäche: In robusten Spielen fehlt ihm manchmal die Durchsetzungskraft.
  • Joe Bell (Viking Stavanger, Marktwert ca. 3,5 Millionen Euro): Bell ist der Mittelfeldmotor, der lieber im Schatten arbeitet. „Ich mag es, zwischen denen zu sitzen, die Tore schießen, und denen, die sie verhindern“, sagt er. Bei Viking beendete er eine 34-jährige Titelflaute, in Neuseeland hält er das Zentrum zusammen. Bell ist zweikampfstark, ballsicher, aber nicht der Schnellste. Im Spielaufbau geht er manchmal zu viel Risiko.
  • Liberato Cacace (Wrexham, Marktwert ca. 2,5 Millionen Euro): Cacace ist der Dauerläufer auf links, stand schon als Teenager bei Wellington Phoenix im Profikader. Über Belgien ging es nach Italien, als erster Kiwi in der Serie A. Seit 2026 bei Wrexham, wo er nach Verletzungen um Form kämpft. Cacace ist laufstark, flankt präzise, übernimmt Verantwortung – auch als Stand-in-Kapitän. Schwäche: Unter Druck schleichen sich Fehler in der Defensive ein.
  • Michael Boxall (Minnesota United, Marktwert ca. 0,15 Millionen Euro): Boxall ist der Abwehrchef. Nach neun Jahren in Minnesota, Rekordspieler, Führungspersönlichkeit, mit samoanischen Wurzeln, physisch extrem stark. Er selbst sagt: „Ich warte darauf, dass die Jungen an mir vorbeiziehen – ich warte immer noch.“ Boxall ist kopfballstark, aber gegen schnelle Stürmer verwundbar. Fun Fact: Seine Sneakersammlung ist legendär in Neuseeland.

Das ist der Trainer: Darren Bazeley

Darren Bazeley sammelte als aktiver Spieler über 450 Einsätze für den FC Watford, FC Walsall und die Wolverhampton Wanderers. 2005 zog es den Engländer dann nach Neuseeland – der Beginn einer Reise, die im WM-Sommer ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Wenn Bazeley mit seiner Mannschaft ins Turnier startet, wird er der erste Trainer überhaupt sein, der bei einer U17-WM, einer U20-WM, den Olympischen Spielen sowie der Endrunde der Profis an der Seitenlinie gestanden hat.

Spielsystem und Taktik

Neuseeland agiert meist im 4-2-3-1, gelegentlich im 4-3-3. Im Aufbau wird flach gespielt, Bell und Just suchen die Verlagerung, Cacace schiebt auf links hoch. Ziel ist es, Wood im Strafraum einzusetzen – per Flanke, Steckpass oder Standard. Gegen den Ball steht die Viererkette tief, das Mittelfeld verdichtet das Zentrum. Pressing gibt es situativ, meist ab der Mittellinie. Schwachpunkt: Gegen schnelle Kombinationen und hohe individuelle Klasse geraten die „All Whites“ schnell ins Schwimmen. Die Defensive ist stabil, aber nicht fehlerfrei.

So hat Neuseeland bei früheren WMs abgeschnitten

Dritte WM-Teilnahme nach 1982 und 2010. 2010 blieb das Team ungeschlagen und musste nach drei Remis trotzdem nach der Vorrunde nach Hause fliegen. Das ist bis heute der größte Stolz des neuseeländischen Fußballs.

Warum eigentlich „All Whites“ oder „Kiwis“?

Der Spitzname ist eine Anlehnung an die berühmten „All Blacks“ im Rugby – nur eben in Weiß. Die Trikots sind das Markenzeichen, der Name steht für nationale Identität. Alternativ werden die Spieler auch „Kiwis“ genannt, nach dem Nationalvogel. In Neuseeland gilt er als gängiger Kosename.

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