Seine Musik ist persönlich und politisch. Wie Marlo Grosshardt mit Pessimismus Mut machen will und wo er in Hamburg Ruhe findet, erklärt er im Gespräch mit t-online.

Überall, wo Wasser ist, ist Marlo Grosshardt gerne, sagt er. Gut also, dass das Gespräch mit der Regionalredaktion von t-online zwar nicht in Hamburg, dafür aber auf der Terrasse des Fluxbau direkt an der Spree in Berlin stattfindet. Dort gibt er gemeinsam mit seiner Band am Abend ein Konzert. Im Interview spricht der Sänger über Hamburg, St. Pauli, und über seine Musik.

Dorfleben und St. Pauli

„Meine Kindheit war sehr durchwachsen“, sagt Grosshardt. Er wuchs auf dem Land in der Nähe zu Hamburg auf. Wegen einer Lungenkrankheit habe er viel Zeit in Krankenhäusern verbracht – und wenig mit anderen Kindern. „In der Schule habe ich mich dann schnell zum Klassenclown entwickelt“, sagt Grosshardt. Später hat er diese Zeit in seinem Song „Astronaut“ verabeitet.

Inzwischen lebt der Sänger in einem anderen Dorf, ebenfalls im Hamburger Umland. „Ich mag es, direkt in der Natur zu wohnen, aus der Haustür zu kommen und nur wenige Leute zu sehen“ sagt er, „ich bin lieber in meinem Garten als in der Stadt.“

Innerlich fühle er sich oft unruhig – er stehe kurz vor einer ADHS-Diagnose – und suche daher ruhige Orte in Hamburg auf. „Ich fahre gern mit dem Fahrrad an der Elbe entlang, spaziere durch Altona, am Hafen oder hinter der Reeperbahn“, sagt er. Selbst Hamburg fühle sich dabei manchmal wie ein Dorf an, weil vieles fußläufig erreichbar sei.

Marlo Grosshardt: Der Musiker zieht seinen eigenen Garten dem Stadtleben Hamburgs vor. (Quelle: Julia Tiemann)

Wenn Grosshardt in das belebtere Hamburg fährt, dann oft aus einem bestimmten Grund: „Am Millerntor geht es mir immer gut“, sagt er und verrät damit, dass er Fan des FC St. Pauli ist. Zwar habe er auch da schlechte Momente – etwa wenn St. Pauli zurückliegt oder gar verliert – doch das gute Gefühl der Gemeinschaft überwiege.

Banden bilden gegen Friedrich Merz?

Mit seiner Musik will er ein ähnliches Gefühl erreichen. Viele seiner Songs sind politisch. So positionierte er sich mit seinem Song „Oma“ bereits 2024 gegen rechts und in seinem neuen Album, das er auch als „musikalische Wehrdienstverweigerung“ versteht, fordert der Sänger seine Fans dazu auf, Banden zu bilden. Seine eigenen Banden hat er bereits gebildet – mit Familie und Fans.

„Vor der letzten Bundestagswahl hatte ich zum ersten Mal Angst“, sagt Grosshardt, „mit dem Erfolg von ‚Oma‘ wurde ich plötzlich zu einer öffentlichen Stimme gegen rechts“ – und somit potenziell zur Zielscheibe von Anfeindungen. Trotzdem positioniert sich Grosshardt weiterhin gegen die AfD – und kritisiert CDU und SPD. „Es ist etwas anderes rechtsextrem zu wählen und Faschisten an die Macht zu bringen“, sagt er, „aber ich verstehe trotzdem nicht, warum Friedrich Merz noch immer unterstützt wird oder warum die SPD nichts mehr mit sozialen Themen zu tun hat.“

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version