Cyberangriff auf Landesnetz
Berlin zahlt nicht – Hacker veröffentlichen Daten
Aktualisiert am 04.09.2026 – 18:00 UhrLesedauer: 3 Min.
Die Hackergruppe Rhysida hatte 30 Bitcoins gefordert und eine Frist bis Freitagmittag gesetzt. Dann veröffentlichten sie das Datenpaket.
Im Erpressungsfall nach dem massiven Datendiebstahl im Berliner Landesnetz hat die kriminelle Hackergruppe Rhysida ihre Drohung wahr gemacht. Das Ultimatum der Gruppe endete am Freitag gegen 15.35 Uhr. Rund eine Stunde danach wurde das rund 5,8 Terabyte große Datenpaket im Darknet veröffentlicht. Der Berliner Senat hatte die von den Hackern geforderten 30 Bitcoins, umgerechnet rund zwei Millionen Euro, nicht gezahlt.
Nach Verstreichen der Frist endete auf der Webseite der Erpresser im Darknet die „Auktion“, wie die Täter es nannten. „Alle Dateien wurden im öffentlich zugänglichen Bereich hochgeladen – viel Spaß beim Stöbern, Datenjäger!“, hieß es dort. Ein Link führte allerdings zunächst nicht zu den Daten, sondern zu einer Fehlermeldung. Eine Stunde später konnte man dann allerdings den Download der Daten starten.
Der Sprecher des Chaos Computer Clubs, Joachim Selzer, sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Nach dem, was ich jetzt hier sehen kann, haben sie den kompletten Datensatz für alle zur Einsicht live gestellt. Das ist für die Berliner Verwaltung schon unangenehm.“ Es seien sehr viele interne Daten, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. „Ich sehe hier zum Beispiel Personalangelegenheiten, auch Arbeitszeugnisse. Mit solchen Daten können Kriminelle immer irgendetwas anfangen.“
Zu den erbeuteten Daten gehören auch Anträge mit Unterschriften
„Das sind schon Daten, die, die entsprechende kriminelle Energie vorausgesetzt, interessant sein können“, sagte Selzer weiter. „Hier sind viele interne Informationen, die sich für einen Identitätsdiebstahl gut ausnutzen lassen“, warnte er. „Je mehr ich über eine Person weiß, desto genauer kann ich mich als diese Person ausgeben, desto genauer kann ich auch einschätzen, was ich von dieser Person wissen muss, zum Beispiel, um in ihrem Auftrag etwas bestellen zu können.“
Unter den Daten, die einsehbar sind, ist etwa der Antrag auf ein neues Handy – samt der Unterschrift des Verwaltungsmitarbeiters. „Das heißt, ich habe schon mal Unterschriftenprobe, das ist für manche Kriminelle ja ganz praktisch“, sagte Selz. Der Experte geht davon aus, dass die Daten aber eher mittelfristig für kriminelle Zwecke missbraucht werden. „Es ist schon ein großer Datenbestand, den muss erst mal jemand durchsehen.“
Hacker behaupten: Haben Zugangsdaten und Passwörter
Die von den Angreifern zuvor veröffentlichten Auflistungen und Screenshots hatten bereits auf einen gravierenden Abfluss hochsensibler Daten hingedeutet. Die Gruppe behauptet, rund 1,44 Millionen Dateien erbeutet zu haben. Laut eigenen Angaben sollen sich darunter mehr als 5.000 Personalakten, Gehaltsabrechnungen und Bußgeldvorgänge befinden, außerdem vertrauliche Unterlagen aus Bundesratsausschüssen sowie Schwachstellenanalysen zur Berliner Trinkwasserversorgung. Zudem gibt die Gruppe an, Zugangsdaten und Passwörter im Klartext erlangt zu haben – unter anderem für Datenbanken der Verwaltung und Zahlungsdienstleister.
- Daten von Hackern veröffentlicht: Das rät der Senat
