Forscher aus Kanada berichten

Haare verraten Risiko für psychische Probleme


22.09.2025 – 14:09 UhrLesedauer: 2 Min.

Haare: Sie können versteckten Stress sichtbar machen. (Quelle: ozgurcankaya/getty-images-bilder)

Wissenschaftler haben eine einfache Methode gefunden, um psychische Belastungen früh zu erkennen: Eine Haaranalyse zeigt anhaltenden Stress.

Die Haare von Kindern können Hinweise auf ihre seelische Gesundheit geben. Das berichtet ein Team der University of Waterloo (Kanada). In Haarproben lässt sich der Cortisolspiegel bestimmen – ein Hormon, das bei lang anhaltendem Stress vermehrt ausgeschüttet wird. Ist der Wert dauerhaft hoch, steigt das Risiko für psychische Probleme wie Depressionen oder Angststörungen deutlich.

Besonders gefährdet sind demnach Kinder mit chronischen körperlichen Erkrankungen (CPI). Weltweit leben je nach Region bis zu 30 Prozent der Kinder mit solchen Erkrankungen, in Kanada sind es sogar 40 Prozent. Diese Kinder leiden nicht nur häufiger unter Einschränkungen im Alltag, sondern auch unter seelischen Problemen, die ihre Lebensqualität zusätzlich mindern.

Die Forscher untersuchten über vier Jahre hinweg 244 Kinder mit chronischen Erkrankungen. Das Ergebnis: Mehr als zwei Drittel von ihnen hatten anhaltend hohe Cortisolwerte im Haar. Genau diese Kinder zeigten besonders oft Anzeichen von Depressionen, Angstzuständen oder anderen psychischen Störungen.

„Mit einer chronischen Erkrankung zu leben bedeutet, täglich Medikamente einnehmen zu müssen, Schulstunden zu verpassen und auf vieles zu verzichten, was für andere Kinder selbstverständlich ist“, sagt Studienautorin Emma Littler. „Das sind erhebliche emotionale Belastungen.“

Die Haaranalysen liefern dafür einen biologischen Marker: Cortisol lagert sich über Wochen und Monate im Haar ein und macht so chronischen Stress messbar. Anders als Blut- oder Speicheltests ist diese Methode schmerzfrei, schnell und kostengünstig.

Die Forscher sehen großes Potenzial für die Früherkennung. Die frühzeitige Identifizierung solcher Risikofaktoren könnte Ärzten und Familien helfen, rechtzeitig einzugreifen, bevor emotionale oder Verhaltensprobleme auftreten. Für sie ist klar: Je früher Stress sichtbar wird, desto besser lassen sich gezielte Präventions- und Therapieangebote entwickeln.

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