Wenn wir Grünen auf Elektromobilität beharren, hat das natürlich einen Klimaschutzgrund. Aber angesichts der angekündigten Werkschließungen sind wir überzeugt: Mit der Elektromobilität können wir Jobs hier halten, das ist Zukunftstechnologie. Aber es bedeutet Veränderung, und das fühlt sich für viele erst mal wie Verlust an. Wie reagiert denn ein Autogewerkschafter in Ohio auf das Wort Elektromobilität? Das Werk, das wir uns angeschaut hatten, produzierte keine Elektroautos. Der Gewerkschaftsdirektor, mit dem ich diskutiert habe, war für die gesamte Branche zuständig und sagte: Wir unterstützen auch Elektromobilität. Er fand auch, dass Trump mit der Kürzung der Förderprogramme große Fehler macht. Aber natürlich ist die Debatte in den USA anders als in Europa, allein schon wegen der Größe der Autos, die sie dort bauen. Denken Sie an den F-150 von Ford, diesen riesigen Pick-up. Der passt in Europa durch viele Straßen gar nicht durch. Ich kann mir das gar nicht vorstellen, mit so einem Ding durch Berlin zu cruisen.
Katharina Dröge fährt im XXL-Pick-up durch Berlin, das wäre auf jeden Fall eine Schlagzeile.
Ja, was für ein Foto. Aber eher nicht.
In den USA entstehen immer mehr KI-Rechenzentren, welche die lokale Strom- und Wasserversorgung belasten. Es regt sich Widerstand. Sie haben Gegner der Zentren getroffen. Was haben Sie gelernt?
Die USA sind uns bei dem Tempo, mit dem sie Rechenzentren bauen, viel weiter voraus. Das Ausmaß, in dem diese Rechenzentren eine Rolle für die Midterms spielen, hat mich überrascht. Selbst republikanische Kandidaten distanzieren sich jetzt vom Bau, weil sie merken: Das ist die einzige Bewegung gerade, die Wähler von beiden Parteien verbinden kann. Auch in Deutschland werden Rechenzentren ausgebaut und auch gebraucht, KI wird entscheidend für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts.
Die Bundesregierung hat bereits angekündigt, die Rechenzentrumskapazitäten bis 2030 mindestens verdoppeln zu wollen. Drohen uns nicht ähnliche Probleme wie in den USA?
Es geht um die Frage: wie viele und zu welchen Bedingungen? Und das ist das Problem in den USA. Die Menschen haben das Gefühl, dass es außer Kontrolle gerät. Es geht um Mitbestimmung vor Ort. Ganz viel wurde über die Köpfe der Gemeinden hinweg entschieden. Es geht auch um Wasserverbrauch. Rechenzentren sollten nicht in Regionen mit Wasserknappheit geplant werden. Und wir müssen so energieeffizient wie möglich bauen, die Zentren mit erneuerbaren Energien betreiben, damit sie die Klimakrise nicht verschärfen.
Was erwarten Sie von der Bundesregierung?
Die Politik muss jetzt sicherstellen, dass sich die Bürgerbeteiligung erhöht. Weil dieser Protest so lokal ist, muss man mit den Kommunen vor Ort reden und auch gucken: Kann man sie finanziell beteiligen? In den USA sind diese Rechenzentren auch ein Ort des Protests gegen die Macht der großen Tech-Konzerne geworden.