Antrag Bildungsgerechtigkeit
Grüne fordern Kita-Pflichtjahr und Gratis-Mittagessen
10.06.2026 – 13:06 UhrLesedauer: 3 Min.
Beim Wohlbefinden von Kindern schneidet Deutschland im internationalen Vergleich schlecht ab. Die Grünen fordern daher von der Bundesregierung eine nationale Bildungsoffensive.
Die Ergebnisse einer Studie zum Kinderwohl haben jüngst für Aufsehen gesorgt. Die ernüchternde Bilanz des UN-Kinderhilfswerks Unicef: Im internationalen Vergleich bleibt Deutschland weit hinter seinen Möglichkeiten zurück und liegt beim Wohlbefinden von Kindern im unteren Mittelfeld. Die Grünen im Bundestag fordern die Bundesregierung nun zum schnellen Handeln auf.
Sie verlangen eine „nationale Bildungsoffensive von Bund, Ländern und Kommunen“ und bringen ein verpflichtendes Kita-Vorschuljahr ins Spiel. In einem entsprechenden Antrag, der t-online vorliegt und über den am Donnerstag abgestimmt werden soll, heißt es: „Bildung darf nicht vom Einkommen abhängen.“
Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Anja Reinalter, kritisiert, dass die Probleme seit Jahren bekannt seien. „Dass die Zukunft von Kindern in Deutschland noch immer so stark vom Elternhaus abhängt, ist nicht hinnehmbar“, sagte Reinalter t-online. „Wir messen die Bundesregierung an ihren eigenen Versprechen.“
Reinalter fordert, dass die angekündigte Ausweitung des Startchancen-Programms, das gezielt Schulen mit besonders schwierigen sozialen Rahmenbedingungen stärken soll, nicht länger verschleppt werden dürfe. „Denn jeder verlorene Tag kostet Kinder und Jugendliche Bildungschancen.“

Die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Bundestag, Irene Mihalic, warf der Bundesregierung vor, „keine Ambitionen im Bereich der Bildungsgerechtigkeit“ zu haben.
Die Unicef-Studie hält fest, dass die Kinderarmutsquote in Deutschland seit Jahren bei hohen 15 Prozent stagniert. Die Lebenszufriedenheit von Jugendlichen aus einkommensschwächeren Familien ist zudem deutlich niedriger als jene von Jugendlichen aus wohlhabenden Familien. Außerdem erreichten unter Jugendlichen aus benachteiligten Familien nur 46 Prozent die grundlegenden Kompetenzen in Lesen und Mathematik. In privilegierten Familien waren es dagegen 90 Prozent. Die Studie des Unicef-Forschungsinstituts Innocenti wird seit dem Jahr 2000 regelmäßig erstellt und vergleicht die Situation von Kindern in den wohlhabenden Ländern der Welt.
Grünen wollen mehr Geld und Personal
Die Grünen fordern in ihrem Antrag angesichts der Ergebnisse, dass der Bund ab sofort und in den kommenden Jahren jeweils eine Milliarde Euro mehr als bisher für die Verbesserung der frühkindlichen Bildung bereitstellt. Das im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Regierung vereinbarte Qualitätsentwicklungsgesetz für Kitas soll schnell vorgelegt werden. SPD und Union hatten sich darauf verständigt, mit dem Gesetz Kinder gezielter zu fördern. Das Bundesfamilienministerium hatte zuletzt erklärt, bis Ende Juni einen Entwurf vorzulegen.
Die Grünen drängen darauf, dass das Gesetz die verbindliche Überprüfung der Sprachentwicklung von Kindern festhält. Bildungsangebote sollen an die Bedürfnisse jedes Kindes angepasst werden, wie es in dem Antrag der Bundestagsfraktion weiter heißt. Es brauche außerdem mehr Personal, damit sich Fachkräfte besser um einzelne Kinder kümmern könnten. Für Kita-Einrichtungen in sozial benachteiligten Lagen brauche es eine spezielle Förderung.
