Medienbericht
Reichen Netzwerk beschwört im Luxushotel Welt ohne Staat
20.10.2026 – 03:00 UhrLesedauer: 2 Min.
Rund 200 Gäste tagen im Münchner Bayerischen Hof, kritische Journalisten werden abgewiesen. Das Hotel beendet die Zusammenarbeit.
Das „Ludwig von Mises Institut Deutschland“ hat seine 14. Jahreskonferenz im Münchner Hotel Bayerischer Hof abgehalten – und es war die letzte Tagung dort. Das berichtete die „Abendzeitung München“ am Dienstag. Das Hotel beendete die Zusammenarbeit, nachdem Äußerungen von Vereinsvertretern dokumentiert worden waren.
Der Verein beruft sich auf den Ökonomen Ludwig von Mises, die Gründer vertreten den Anarchokapitalismus, in dem Staat und Demokratie verschwinden sollten. Vereinspräsident Thorsten Polleit eröffnete laut „Abendzeitung“ die Konferenz mit einem Verweis auf Schillers „Wilhelm Tell“ und benannte dabei „Sozialisten, Marxisten, Kommunisten und Globalisten“ als Gegner. Rund 200 Gäste nahmen demnach an der Tagung teil; das Netzwerk sei laut Bericht auch mit Geld des Münchner Milliardärs August von Finck junior gewachsen.
Vereinspräsident Thorsten Polleit lehrt an der Uni Bayreuth
Kritische Journalisten der „Abendzeitung“ und der „Süddeutschen Zeitung“ wurden beim Einlass abgewiesen, heißt es in dem Bericht. Akkreditiert waren dagegen unter anderem das Sprachrohr der neuen Rechten: die „Junge Freiheit“ sowie die Portale „eigentümlich frei“ und „Substanz Investor“. Unter den Gästen waren nach Angaben der „Abendzeitung“ unter anderem der frühere bayerische FDP-Chef Michael Ruoff und Philipp Bagus, der als Sachverständiger der AfD in einer Enquete-Kommission des Bayerischen Landtags auftritt.
Im Bayerischen Landtag fordern Abgeordnete Konsequenzen. Der Grünen-Politiker Cemal Bozoglu will per Antrag eine Beobachtung, die Prüfung der Gemeinnützigkeit und ein Vereinsverbot anstoßen. SPD-Politiker Florian von Brunn bezeichnete laut „Abendzeitung“ die bisherige Antwort des Innenministeriums als „völlig unzureichend“. Vereinspräsident Polleit lehrt als Honorarprofessor an der Universität Bayreuth; das bayerische Wissenschaftsministerium habe bislang keinen Anlass gesehen, dies zu prüfen.
