Exklusive Umfrage nach Merz-Aussagen
Drei von vier Deutschen sind für die Bürgerversicherung
23.09.2026 – 15:14 UhrLesedauer: 2 Min.
Gesetzlich oder privat versichert – das deutsche Krankenversicherungssystem trennt die Versicherten in zwei Systeme. Eine Bürgerversicherung würde diese Trennung aufheben.
Eine große Mehrheit der Bevölkerung befürwortet die Einführung einer Bürgerversicherung. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Instituts Civey im Auftrag von t-online. Auf die Frage „Sollte das System aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung in eine Bürgerversicherung umgewandelt werden“ antworteten 76 Prozent der 5.000 Befragten mit „Eher ja“ oder „Ja“. 17 Prozent stehen einer solchen Umwandlung ablehnend gegenüber, acht Prozent sind unentschieden.
Bürgerversicherung im Osten populärer
Auch im Ost-West-Vergleich zeigt sich eine breite Zustimmung zur Bürgerversicherung. In Ostdeutschland befürworten 82 Prozent der Befragten eine einheitliche Krankenversicherung, in Westdeutschland sind es 74 Prozent. Damit liegt die Zustimmung im Osten acht Prozentpunkte höher als im Westen.
Eine Bürgerversicherung würde das bestehende Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung grundsätzlich verändern. In einem solchen Modell wären alle Bürger in einer gemeinsamen Krankenversicherung versichert und würden in dieses System einzahlen.
Merz bringt Debatte in Schwung
Die Debatte über die Unterschiede zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung hat zuletzt durch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) neuen Auftrieb bekommen. Er bezeichnete es als „Gerechtigkeitsproblem“, wenn privat Versicherte schneller Zugang zu Leistungen und Facharztterminen bekämen, während gesetzlich Versicherte mitunter Wochen oder Monate warten müssten. Zugleich betonte Merz, dass es gute Gründe für beide Versicherungssysteme gebe. Wenn die Bevölkerung die Unterschiede jedoch als massives Problem wahrnehme, müsse man etwas daran ändern.
Die Äußerungen von Merz lösten innerhalb der schwarz-roten Koalition unterschiedliche Reaktionen aus. Während die SPD erneut ihre langjährige Forderung nach einer Bürgerversicherung für alle betonte, verwies die Union vor allem auf Verbesserungen bei der Terminvergabe. Ein Regierungssprecher stellte zudem klar, dass Merz mit seinen Äußerungen das bestehende Krankenversicherungssystem nicht grundsätzlich infrage gestellt habe.
Hinweis aus der Redaktion: Die Ergebnisse basieren auf einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey, das vom 25.06.2026 bis 23.09.2026 5.000 Bundesbürger ab 18 Jahren befragt hat. Die Ergebnisse sind repräsentativ und unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 2,5 (in Ausnahmefällen leicht erhöht) zu betrachten.
