Gehirne von Frauen untersucht

Hängt das Risiko für Alzheimer (auch) von diesem Hormon ab?


15.08.2026 – 13:11 UhrLesedauer: 3 Min.

Bei einer Hormonersatztherapie werden die Sexualhormone, von denen der weibliche Körper ab einem bestimmten Alter weniger bildet, als Medikament verabreicht. (Quelle: MixMedia/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Eine neue Studie geht der Frage nach, wie eine Hormontherapie in den Wechseljahren das Risiko für Alzheimer beeinflusst. Was die Ergebnisse bedeuten.

Hormone – ja oder nein? Viele Frauen mit starken Wechseljahresbeschwerden stehen vor dieser Frage und sind unsicher: Die Behandlung kann zwar helfen, birgt jedoch auch eine Reihe von Risiken, die dagegensprechen.

Andererseits könnte die Therapie auch positive Effekte auf die Gesundheit haben – und zwar jenseits der Linderung der Beschwerden. Studien liefern unter anderem Hinweise darauf, dass eine Hormontherapie bei Frauen mit einem geringeren Risiko für Alzheimer verbunden sein könnte.

Eine neue Untersuchung scheint das zu bestätigen: Frauen, die mit dem weiblichen Sexualhormon Östrogen behandelt worden waren, zeigten später seltener Veränderungen im Gehirn, die für die Alzheimerkrankheit typisch sind. Auch wurde bei ihnen seltener eine Demenz diagnostiziert als bei Frauen, die keine Hormonersatztherapie genutzt hatten.

Hinweis

Rund zwei Drittel aller Menschen mit Alzheimer sind Frauen, berichtet die Alzheimer Forschung Initiative. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass Frauen im Durchschnitt länger leben und das Alzheimer-Risiko mit dem Alter stark steigt. Es könnten jedoch auch biologische Unterschiede eine Rolle spielen. Eine Vermutung lautet, dass es mit den Hormonen zusammenhängt. In den Wechseljahren sinkt die Produktion des Sexualhormons Östrogen deutlich ab. Da es auch auf das Gehirn wirkt, könnte dieser Hormonrückgang Prozesse beeinflussen, die für die Entstehung von Alzheimer bedeutsam sind. Dass Östrogenmangel tatsächlich ein Grund für das höhere Erkrankungsrisiko von Frauen ist, ist bislang allerdings nicht bewiesen.

Forscher untersuchen Gehirne nach dem Tod

Für die Studie werteten Wissenschaftler der Stanford University Daten aus zwei großen US-Forschungsprojekten aus. Im Wesentlichen ging es ihnen dabei um die Frage: Haben Frauen nach einer Östrogenbehandlung seltener Anzeichen von Alzheimer als Frauen ohne Hormontherapie?

Dazu führten sie verschiedene Analysen durch. Unter anderem schauten sie sich Autopsiedaten von 2.959 Frauen an, deren Gehirne nach dem Tod untersucht worden waren. 258 von ihnen hatten zu Lebzeiten eine Östrogentherapie in Anspruch genommen, 2.701 keine Hormonersatztherapie. Die Forscher verglichen, wie stark sich in den Gehirnen typische Veränderungen der Alzheimerkrankheit finden ließen.

Überdies wertete das Team einen weiteren Datensatz aus. Dieser umfasste verschiedene Gesundheitsinformationen von insgesamt 2.058 Frauen. Von diesen hatten 110 eine reine Östrogen-Therapie genutzt, 1.948 nicht. Hier verglichen die Wissenschaftler unter anderem Demenzdiagnosen sowie für Alzheimer typische Messwerte aus Blut und Nervenwasser.

Schützt Östrogen vor Alzheimer?

Das Ergebnis: Demenz kam bei den Frauen, die eine Östrogen-Therapie erhalten hatten, deutlich seltener vor. Nach den Berechnungen der Forscher war die Wahrscheinlichkeit für eine Demenzdiagnose bei ihnen um 39 Prozent geringer. Auch Anzeichen für Gedächtnisverlust oder Schwierigkeiten im Alltag traten seltener auf.

Diese Befunde könnten leicht zu der Schlussfolgerung verleiten, eine Hormontherapie schütze Frauen vor Demenz. Das beweist die Studie allerdings nicht. Denn die Teilnehmerinnen mit und ohne Hormontherapie könnten sich auch in anderen Punkten, die sich auf das Demenzrisiko auswirken, unterschieden haben. Womöglich lebten die Frauen mit Hormontherapie insgesamt gesünder, gingen häufiger zu Vorsorgeuntersuchungen oder hatten einen besseren Zugang zu medizinischer Versorgung. Solche Unterschiede lassen sich bei einer rückblickenden Untersuchung nicht vollständig ausschließen.

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