Populismus schlägt Professionalität

Es ist der Moment, in dem Jean-Pascal Hohm ans Mikrofon tritt. „Es passt kein Papier zwischen Dr. Alice Weidel und die ‚Generation Deutschland'“, sagt der Chef der AfD-Jugend. Er sei dafür, dass „wir realistisch sind“ und „uns nicht einem Populismus hingeben“, der auf solchen Parteitagen so beliebt sei. „Die Bundesrepublik Deutschland wird nicht aus dem Euro austreten.“

Er verweist auf die USA, die Deutschland und Europa mit Zöllen überzögen. Auf die Kommunistische Partei Chinas, die Europa mit Billigwaren überschwemme. Und sagt mit Blick auf die vielen Gastredner aus Europa: „Wenn wir nicht das tun, was diese Veranstaltung hier heute geatmet hat, dann wird Europa untergehen.“

Doch während der Wortmeldungen, die folgen, wird klar: Pfannes und die Euro-Austritt-Befürworter haben einen erheblichen Teil der Versammlung, vermutlich die Mehrheit, auf ihrer Seite. Sehr viel lauter brandet der Applaus für sie auf. Hohm muss ernsthaft bezweifeln, eine Abstimmung zu verlieren – und zieht den Antrag des Bundesvorstands schließlich zurück.

Emotionen schlagen in diesem Moment Argumente, der Populismus schlägt die Professionalität – und die alte schlägt die neue AfD.

Professioneller als die Mutterpartei im Umgang mit der Presse

Ähnlich läuft es bei einem anderen, neuen Ansatz, den Hohm und sein Pressesprecher Wendelin Fessl an diesem Tag austesten: die Presse gut zu behandeln. Das ist für die AfD ein vermutlich ähnlich großer Schritt wie die Abkehr vom Euro-Austritt. Vielleicht sogar ein noch größerer. Denn das Verhältnis zwischen der Partei und der Presse ist tief zerrüttet.

Von der Presse ungerecht behandelt und abgeurteilt fühlt man sich in der AfD seit Gründung der Partei. Tief sitzt die Wut über Berichte, die auch Privates an die Öffentlichkeit gezerrt haben. Sensibel ist man für Texte, die nach Meinung der Partei den Kern nicht treffen oder falsch sind, kapselt sich dann ab, was journalistische Fehleinschätzungen noch wahrscheinlicher macht.

Ulrich Siegmund: Endspurt im Wahlkampf. (Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)

Und all den Ärger zahlt man bei Parteitagen und Veranstaltungen, wo man selbst die Überhand hat, gerne heim. Standards, die bei allen anderen Parteien im Umgang mit der Presse üblich sind, gibt es bei der AfD nicht.

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