Kinugawa Onsen

Diese Geisterhotels sind Zeugen einer vergangenen Ära


10.09.2026 – 09:54 UhrLesedauer: 3 Min.

Die Ruinen von Kinugawa Onsen: Hier verbrachten Menschen einst ihren Urlaub. (Quelle: LewisTsePuiLung)

Kinugawa Onsen war in Japan einst ein beliebtes Reiseziel. Dann platzte die Wirtschaftsblase und hinterließ gespenstische Betonruinen am Fluss.

Wer von Tokio aus zwei Stunden mit dem Zug in Richtung Norden fährt, landet in einer Welt, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Kinugawa Onsen war ein Thermalquellenbad in der Präfektur Tochigi nahe dem Weltkulturerbe Nikko. Heute ist der Ort vor allem für eines bekannt: seine verlassenen Hotelruinen, die sich wie Geisterkulissen an den Klippen des Kinugawa-Flusses erheben.

Die heißen Quellen am Kinugawa-Fluss wurden erstmals 1691 dokumentiert, als ein Dorfbewohner eine Quelle am Westufer entdeckte. Zunächst war das Wasser ausschließlich Feudalherren und buddhistischen Mönchen auf Pilgerreise nach Nikko vorbehalten. Erst später öffneten sich die Quellen für die breite Öffentlichkeit. 1927 wurden zwei getrennte Quellen zum heutigen Kinugawa Onsen zusammengeführt.

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Kinugawa Onsen: Das Bild stammt aus der Mitte der 1930er-Jahre. (Quelle: IMAGO)

Mit dem Anschluss an das Tokioter Bahnnetz im Jahr 1929 begann der eigentliche Aufstieg. In den 1960er- bis 1980er-Jahren erlebte der Ort seine Glanzzeit. Japans Wirtschaft boomte, Unternehmen organisierten Gruppenreisen für ihre Mitarbeiter, und Kinugawa war das perfekte Wochenendziel für Familien und Büroangestellte aus der Hauptstadt. Entlang des Flusses entstanden Gästehäuser und riesige Hotels. Im Jahr 1993 verzeichneten Kinugawa Onsen und das benachbarte Kawaji Onsen zusammen 3,41 Millionen Übernachtungsgäste, Kinugawa allein über drei Millionen.

Riesige Hotels kommen aus der Mode

Dann kam der Einbruch. Als Japans Wirtschaftsblase Anfang der 1990er-Jahre platzte, änderten sich die Reisegewohnheiten. Firmenausflüge wurden seltener, Gruppenreisen gingen zurück, und Reisende suchten zunehmend günstigere, kleinere Unterkünfte auf. Die Zeit der Hotelkomplexe war vorbei.

Den entscheidenden Einschnitt markierte die Verstaatlichung der Ashikaga Bank im November 2003, der wichtigsten Tourismusfinanziererin der Region. Viele Hotels, die ohnehin schon mit Schulden kämpften, verloren damit ihre letzte Stütze. Hinzu kamen Schäden durch das schwere Erdbeben im Jahr 2011 sowie Überschwemmungen. Ein Hotel nach dem anderen schloss seine Türen, die leeren Gebäude wurden langsam zu Ruinen.

Die verlassenen Hotels stehen am Kinugawa-Fluss in einer wunderschönen Kulisse. (Quelle: gyro)

Warum die Ruinen stehen bleiben

Doch warum wurden die Gebäude nie abgerissen? Die Antwort liegt im japanischen Eigentumsrecht. Viele Eigentümer sind verschwunden, verstorben oder haben keine Erben hinterlassen. Ohne Eigentümerzustimmung ist ein Abriss rechtlich kaum möglich. Hinzu kommen die enormen Kosten sowie technische Schwierigkeiten: Einige Gebäude stehen direkt über den Thermalquellen, die auch noch funktionierende Hotels versorgen.

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