Urteil beunruhigt Gitarren-Branche

Jetzt könnte Fender gegen die Konkurrenz vorgehen

29.05.2026 – 17:46 UhrLesedauer: 2 Min.

John Frusciante: Der Gitarrist der Red Hot Chili Peppers spielt eine Fender Stratocaster. (Quelle: IMAGO/Chris Tuite/imago)

Ein Düsseldorfer Gericht stärkt Fender beim Design der Stratocaster: Die Korpusform gilt als urheberrechtlich geschützt. Das Urteil lässt die Gitarrenbranche aufhorchen.

Ein Urteil des Landgerichts Düsseldorf zur E-Gitarre Stratocaster des US-Herstellers Fender beunruhigt Teile der Musikbranche. Das Gericht entschied in einem Verfahren gegen einen chinesischen Anbieter von Gitarrenkopien, dass die Form des Stratocaster-Korpus urheberrechtlich geschützt ist.

Die Stratocaster zählt zu den bekanntesten E-Gitarren der Musikgeschichte. Musiker wie Jimi Hendrix, Eric Clapton, David Gilmour, Ritchie Blackmore, John Frusciante und Stevie Ray Vaughan prägten mit ihr den Sound von Rock, Blues und Pop. Auch deshalb reicht der Streit über die konkrete Gitarrenform hinaus: Es geht um ein Design, das seit Jahrzehnten von vielen Herstellern aufgegriffen wird.

Nach Angaben von Fender hatte das Unternehmen gegen einen Hersteller geklagt, dessen Instrumente über Online-Plattformen auch nach Europa verkauft wurden. Das Gericht wertete die Form der Stratocaster als Werk der angewandten Kunst. Damit könne der Korpus in Deutschland und der Europäischen Union urheberrechtlichen Schutz genießen.

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Rechtliche Tragweite umstritten

Die Entscheidung könnte Auswirkungen über den konkreten Einzelfall hinaus haben. Nach Branchenberichten haben Anwälte von Fender inzwischen weitere Hersteller und Händler angeschrieben. Dabei geht es um Instrumente, deren Gestaltung an die Stratocaster angelehnt ist. Fender erklärte demnach, gegen aus seiner Sicht rechtsverletzende Nachahmungen vorgehen zu wollen.

Allerdings ist die rechtliche Tragweite der Entscheidung umstritten. Bei dem Urteil handelt es sich um ein Versäumnisurteil. Der beklagte chinesische Anbieter hatte sich vor Gericht nicht verteidigt. Das Gericht stützte seine Entscheidung daher auf den Vortrag der Klägerseite.

Juristen und Branchenvertreter diskutieren deshalb, inwieweit sich die Argumentation auch in Verfahren gegen andere Hersteller durchsetzen könnte. Beobachter rechnen damit, dass es in den kommenden Monaten zu weiteren gerichtlichen Auseinandersetzungen kommt. Gitarrenbauer fürchten die Folgen für Hersteller von Modellen, die sich seit Jahrzehnten an der Form der Stratocaster orientieren.

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