Was tun, wenn die Temperaturen immer weiter steigen? Die Münchner Stadtwerke haben darauf eine Antwort – und zwar im Untergrund.

In München wurden unlängst die höchsten Temperaturen seit fast 50 Jahren gemessen. Wie kann man sich auf Dauer vor der Hitze schützen? Klimaanlagen für alle sind keine Lösung, da sie sehr CO2-intensiv sind und einen hohen Stromverbrauch haben. Deshalb ist es auch rein technisch nicht möglich, dass alle Bewohner der bayerischen Landeshauptstadt Klimaanlagen nutzen. Damit das Stromnetz der Stadt bei Hitzewellen nicht zusammenbricht, haben die Stadtwerke München (SWM) schon vor 15 Jahren eine Geheimwaffe gefunden: Fernkälte. Im Gegensatz zu seinem wärmeren Pendant, der Fernwärme, ist dieser Begriff deutlich unbekannter.

Denn während es oben heiß ist, bleibt es im Münchner Untergrund kühl. Dort, wo sich das Grundwasser sammelt, befindet sich die hauseigene Klimaanlage der Landeshauptstadt.

Was ist Fernkälte und wie funktioniert sie?

Die Technologie funktioniert genau wie ihr verwandtes Gegenstück, die Fernwärme, nur eben mit Kälte: Sie nutzt Temperatur aus dem Erdreich. Einfach erklärt: Kaltes Wasser, zum Beispiel aus einem Fluss oder aus dem Grundwasser, wird zu einer Zentrale geleitet. Dort gibt es einen eigenen Wasserkreislauf, der durch das von außen kommende Wasser heruntergekühlt wird. Das nun gekühlte Wasser aus der Kältezentrale fließt in Rohren zu den Abnehmern und kühlt dort die Luft. Das Wasser von außen wiederum ist während des Kühlvorgangs wärmer geworden und wird zurück nach draußen geleitet. Je nach System gelangt es zurück in das ursprüngliche Gewässer oder wird in eine Fernwärmeleitung überführt, damit die Wärme ebenfalls genutzt werden kann – beispielsweise für ein Schwimmbad.

Ein Mitarbeiter läuft durch die Münchner Kältezentrale. Mithilfe des Westlichen Stadtgrabenbachs und Grundwasser kühlt die Stadt ihre Gebäude. (Quelle: Reuters)

Fernkälte folgt dem gleichen Prinzip wie die Klimaanlage: Warme Luft, etwa im Inneren eines Gebäudes, wird angesaugt und in eine Kühlmaschine gezogen. Kühlmittel entziehen dieser Luft die Wärme, die Luft wird dann gekühlt nach draußen wieder abgegeben. Auf der anderen Seite wird die Wärmeenergie, in Form des nun deutlich wärmeren Kühlmittels, ebenfalls abgegeben.

Der Unterschied zur Klimaanlage: Fernkälte nutzt keine Gase wie Propan zur Kühlung, sondern einen geschlossenen Wasserkreislauf. Für die Fernkälte wird kaltes Wasser genutzt. Dieses hat sich zwar nach dem Kühlvorgang erwärmt, kann anschließend aber zurück in den Kältekreislauf geführt, erneut gekühlt und wieder als Kühlmittel verwendet werden. Die Technologie ist damit deutlich energiesparender und effizienter: Laut SWM spare man dabei den Jahresverbrauch von rund 3.000 Münchner Haushalten ein.

Wo gibt es Fernkälte in München?

Die Pioniere der Technologie sitzen allerdings nicht in der bayerischen Landeshauptstadt, sondern in Hamburg und Chemnitz: Dort gibt es seit 1968 und 1973 Fernkälte. In München hat man das Konzept weitergedacht: Die Stadtwerke haben über ihr gesamtes Gebiet mehrere Kältezentralen gebaut, von denen aus die Kühlung gesteuert und an die Abnehmer geleitet wird. Zur Kühlung werden entweder kaltes Grundwasser oder andere kalte Gewässer verwendet – in München ist dies der Westliche Stadtgrabenbach, der unterirdisch durch die Altstadt fließt. Am Stachus sowie am Odeonsplatz fließt der Bach durch die unterirdischen Rohre der Kältezentrale. Diese Fernkälterohre umschließen dort die Rohre, in denen sich die angesaugte Abwärme, also die erwärmte Luft aus den Gebäuden, befindet.

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