Verkehrssicherheit gefährdet

Unfallforscher: Handynutzung am Steuer nimmt stark zu

Aktualisiert am 20.10.2026 – 08:27 UhrLesedauer: 2 Min.

Sorgt für Ablenkung beim Fahren und dadurch immer wieder für Unfälle: Smartphone am Steuer. (Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-bilder)

Viele Autofahrer können ihr Handy auf der Fahrt einfach nicht zur Seite legen. Vor allem eine Altersgruppe ist stark gefährdet – mit riskanten Konsequenzen.

Kurz mal eben eine Nachricht tippen, auch wenn sich der Verkehr vor einem gerade staut: Was für viele Autofahrer eine kurze Ablenkung am Lenkrad bedeutet, entwickelt sich auf deutschen Straßen zu einem wachsenden Problem. Die Handynutzung am Steuer nehme gerade unter jungen Autofahrern dramatisch zu, berichtet der Unfallforscher Siegfried Brockmann von der in Winnenden bei Stuttgart ansässigen Björn Steiger Stiftung der Deutschen Presse-Agentur.

„Meine Prognose ist, dass wir davon noch viel mehr sehen werden, weil die Digital Natives ja gerade erst am Steuer angekommen sind und die eben überhaupt keine Minute aushalten können, ohne zu gucken, ob es irgendwas Neues gegeben hat“, sagte Brockmann. Je jünger und unerfahrener die Autofahrer dabei seien, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht richtig einschätzen könnten, wann sie kurz eine Sekunde von der Fahrbahn wegschauen könnten.

ACE: Smartphone-Verstöße bei jedem 30. kontrollierten Fahrzeug

Wie viele Menschen beim Fahren zum Handy greifen, lässt sich nur schwer abschätzen. Einen Versuch hat der Auto Club Europa (ACE) unternommen: Bei mehr als 300 bundesweiten Überprüfungen an innerörtlichen Kreuzungen stellten Ehrenamtliche des Verkehrsclubs zwischen April und Juli fest, dass im Durchschnitt bei jedem dreißigsten (3,3 Prozent) der kontrollierten Fahrzeuge am Steuer verbotswidrig und klar erkennbar das Smartphone benutzt wurde.

An einer Kreuzung in Stuttgart sei der bundesweit höchste Wert von 17,9 Prozent verzeichnet worden. Bei lediglich vier Checks in Braunschweig (Niedersachsen), Jüterbog (Brandenburg), Oschatz (Sachsen) und Trostberg (Bayern) wurden dagegen keine Verstöße gemeldet.

Was hilft gegen das Problem?

Bei Erhebungen dieser Art müsse man scharf unterscheiden, was genau gemeint sei, betonte Brockmann. Das Handy am Ohr zu haben sei etwas ganz anderes, als dass das Handy zum Texten unten auf dem Schoß liege. Wenn jemand Textnachrichten während des Fahrens lese oder schreibe, sei dies sehr viel schwieriger nachweisbar. In amtlichen Statistiken komme dies jedoch immer nur mit einem sehr geringen Prozentsatz vor. „Das heißt aber nicht, dass es nicht vorkommt, sondern dass man es nicht nachweisen kann.“

Fachleute forderten beim Verkehrsgerichtstag in Goslar Anfang des Jahres, dass es zwei Punkte in Flensburg dafür geben sollte, wenn man beim Autofahren das Handy in die Hand nimmt – derzeit bekommt man dafür einen Punkt. Den Empfehlungen der Experten zufolge soll zudem das Bußgeld für Handy-Vergehen auf mindestens 250 statt 100 Euro angehoben werden.

Der Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung. (Archivbild) (Quelle: Lars Berg/dpa/dpa-bilder)
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