„Russisch Roulette“ mit der Gesundheit

Jährlich kommen Millionen gefälschte Medikamente nach Deutschland


23.09.2025 – 16:20 UhrLesedauer: 2 Min.

Gefälschte Medikamente: Häufig betroffen sind unter anderem Potenz- und Schmerzmittel. (Quelle: Christin Klose/dpa-tmn./dpa)

Immer mehr Menschen bestellen ihre Medikamente online – schnell, anonym und oft günstiger als in der Apotheke vor Ort. Doch Experten warnen vor Gesundheitsrisiken.

Im internationalen Postzentrum am Frankfurter Flughafen entdecken Kontrolleure täglich Arzneipackungen, die auf illegalem Weg nach Deutschland gelangen. Viele davon stammen aus Ländern außerhalb der EU – etwa aus Indien oder China – und kommen in einfachen Umschlägen an. Laut Zoll landen jährlich rund zwei Millionen Arzneimittel ohne offizielle Einfuhrgenehmigung in Deutschland. Das geht aus einem kürzlich erschienenen Bericht der „Tagesschau“ hervor.

Darin warnen Pharmazeuten vor den gefälschten Medikamenten. Wer sich Arzneimittel aus dubiosen Quellen beschaffe, spiele „Russisch Roulette“ mit seiner Gesundheit, heißt es in dem Report.

Besonders häufig betroffen sind Potenzmittel, Schlaf- und Schmerzmittel, Antibabypillen, aber auch Medikamente gegen Krebs oder Depressionen. Dass diese Präparate nicht über Apotheken bezogen werden, liegt oft am einfachen Zugang im Internet, wo sie anonym und rezeptfrei erhältlich sind.

Das Problem: Manche dieser Fälschungen enthalten gar keinen Wirkstoff, andere sind zu hoch dosiert oder mit Stoffen versetzt, die giftig oder in der EU nicht zugelassen sind. Das geht laut dem Bericht der „Tagesschau“ aus Analysen des Landesuntersuchungsamts in Mainz hervor. Julian Budzinski vom Landesuntersuchungsamt erklärt: „Damit wissen Sie nicht, was Sie sich für Nebenwirkungen aussetzen. Das kann im schlimmsten Fall zum Herzstillstand oder zum Tod führen.“

Hersteller weisen darauf hin, dass man gefälschte Medikamente etwa an einem anderen Schriftzug, falscher Dosierungsstärke, einer abweichenden Anzahl der Tabletten im Blister oder einer abweichenden Farbe vom entsprechenden Original erkennen kann. Allerdings sei es immer schwieriger, Fälschungen zu erkennen, erklärt Alexander Horn, Geschäftsführer des Pharmakonzerns Lilly Deutschland, in dem Bericht.

Experten raten daher dazu, Medikamente nur aus sicheren Quellen zu beziehen. Dazu gehören zugelassene Apotheken in Deutschland sowie Versandapotheken mit dem offiziellen EU-Sicherheitslogo. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert darüber, dass dieses grün-weiße Zeichen auf der Webseite sichtbar sein muss. Zudem muss es beim Anklicken auf das offizielle Register des Herstellers führen. Eine einfache Abbildung ohne Verlinkung reicht nicht aus.

Ein zweites Merkmal einer sicheren Versandapotheke ist laut BfArM das Schloss-Symbol vor der Internetadresse der Webseite (URL). Das bedeutet, dass die Verbindung sicher ist. Schauen Sie sich die Internetadresse in der Browserzeile daher genau an, bevor Sie bestellen. Und: Nach dem https:// sollte die URL mit „versandhandel.dimdi.de/“ beginnen. Achten Sie besonders auf den Schrägstrich (/) nach „.de“.

Professor Arndt Sinn von der Universität Osnabrück, Experte für Arzneimittelrecht, weist in der „Tagesschau“ darauf hin, dass Verbraucher beim Bestellen von Medikamenten aus Nicht-EU-Ländern mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssen. Auch rezeptfreie Produkte unterliegen dieser Regel. Eine solche Handlung könne als Ordnungswidrigkeit oder sogar als Straftat angesehen werden, so der Experte.

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