CSU-Urgestein Peter Gauweiler

„Brandmauern ersetzen keine Argumente“

28.04.2026 – 05:50 UhrLesedauer: 2 Min.

Peter Gauweiler (Archivbild): Immer unbequem und streitbar. (Quelle: dpa)

Peter Gauweiler kritisiert die sogenannte Brandmauer und fordert mehr offenen Austausch im Parlament. Dabei stellt er eine zentrale Praxis der Parteien infrage.

Das bürgerliche Lager soll gestärkt werden, notfalls mit ungewöhnlichen Allianzen. Das fordert CSU-Veteran Peter Gauweiler und scheut dabei auch provokante Denkanstöße nicht.

Der ehemalige CSU-Landes- und Bundespolitiker Peter Gauweiler hat seine Partei zu einer engeren Zusammenarbeit mit den Freien Wählern aufgerufen, auch über Bayern hinaus. „Freie Wähler und CSU sollen auch außerhalb des Freistaates als bayerisches Erfolgskonzept antreten können“, sagte Gauweiler der Mediengruppe Bayern. Als Modell schwebte ihm dabei ein gemeinsames Listenbündnis nach dem Vorbild von „Bündnis 90/Die Grünen“ vor, etwa unter dem Namen „Bündnis Freie Wähler/CSU“. Auf diesem Weg wäre „die Überwindung der Fünf-Prozent-Hürde nicht mehr ausgeschlossen, sondern naheliegend“, so Gauweiler.

Er selbst bezeichnete dies als „nur einen Gedanken“, mahnte jedoch zugleich zur strategischen Weitsicht: „Als Alternative bleibt, auf jede strategische Fantasie zu verzichten und anschließend verwundert zu sein, dass das bürgerliche Lager von den aktivistischen Rändern besetzt wird.“

Gauweilers Kalkül: In einem Mitte-rechts verorteten „Stimmungslager“ sieht er ein Potenzial von zwei Dritteln aller Wählerstimmen. Ziel sei es, „dem Missstand ein Ende zu setzen, dass die Deutschen, auch wenn sie rechts wählen, links regiert werden“.

Neben dem Bündnis mit den Freien Wählern brachte Gauweiler auch eine noch weitreichendere Option ins Spiel: Die CSU könnte erwägen, selbst außerhalb Bayerns anzutreten. Das würde die seit Jahrzehnten geltende Absprache zwischen CDU und CSU infrage stellen, wonach die CSU ausschließlich in Bayern kandidiert und die CDU im übrigen Bundesgebiet, beide Parteien treten damit nie gegeneinander an.

Auch den Umgang der CSU mit der AfD nahm Gauweiler ins Visier. „Brandmauern ersetzen keine Argumente. Schon die Metaphorik – anstößige Gedanken dem Feuer zu überantworten – ist indiskutabel“, sagte er. Ihm komme es „nicht so sehr auf die Gesinnung an, wenn jemand zu einem offenen Gespräch bereit ist. Der dialogische Austausch ist ein Wert an sich“.

Zudem sei es „demokratisch unredlich, parlamentarische Vorschläge allein deshalb abzulehnen, weil sie von der ‚falschen‘ Partei kommen“. Gauweiler verwies auf seine eigene Praxis als Bundestagsabgeordneter: Er habe damals auch Anträgen der Linken zugestimmt, „wenn mir dies geboten erschien, und würde dies im Fall der AfD wieder tun“.

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