Linke Eralp Thema bei „Illner“

Gauck: „Wenn sie Angst hat, dann soll sie sich Leute suchen“


30.10.2026 – 01:01 UhrLesedauer: 4 Min.

Joachim Gauck bei der Verleihung des Internationalen Brückepreises der Europastadt Görlitz: Er fordert mehr Mut von Politikern. (Archivbild) (Quelle: IMAGO/Matthias Wehnert/imago)

Rot-Schwarz fängt sich eine Schelte von Joachim Gauck ein. Er fordert bei „Illner“ mutige Entscheidungen. Kein Verständnis gibt es für die Angst von Elif Eralp.

Ein Ruck geht durch Deutschland, aber die Bundesregierung steht still. „Mut!“, forderte deshalb Bundespräsident a.D. Joachim Gauck am Donnerstagabend bei „Maybrit Illner“ von der Großen Koalition. Mit nötigen Reformen würden nie alle Wähler glücklich sein. Aber wenn es auch durch Gremien genug Sachverstand für nötige Veränderungen gebe, „dann müssen Entscheidungen her“, verlangte Gauck.

Die Gäste

  • Joachim Gauck, Bundespräsident a. D.
  • Melanie Amann, Journalistin (Funke)
  • Paul Ronzheimer, Journalist (Axel Springer)
  • Philipp Blom, Autor

„Politiker mit Mut kommen selten vor“, bilanzierte Gauck im Gespräch mit Illner. Als Gegenbeispiel hatten beide zuvor auf Gerhard Schröder und dessen Agenda 2010 verwiesen. Deutschland braucht laut dem ehemaligen Staatsoberhaupt jetzt erneut grundlegende Reformen, um den Wirtschaftsstandort zu retten. CDU und SPD seien aber mit internen „Identitätsproblemen“ beschäftigt, anstatt dass „sie sich darum kümmern, wann sie sich endlich zusammenraufen und für das Land die notwendigen Entscheidungen treffen“.

Gauck liest Regierung die Leviten

Die jüngsten Wahlerfolge der AfD in Ostdeutschland führte Gauck auch auf ein Kommunikationsdefizit zwischen den Politprofis und den Wählern zurück. „Da brauchen wir mehr Nähe und mehr Zuhören, ganz klar“, sagte der parteilose Politiker. Auch junge Menschen seien in der Politik gelegentlich übersehen worden. Gauck ermahnte die Jugend allerdings, nicht nur zu fordern, sondern selbst etwas zum Gelingen der Gesellschaft beizutragen.

  • Gen-Z-Brandbrief an Merz: „Hören Sie uns endlich zu!“

Dazu passte ein Aufruf des Bundespräsidenten a.D. an die Zuschauer von „Maybrit Illner“. Bundesweit etwa 300 Kommunen hätten Patenschaften mit Städten in der Ukraine. Darüber könne Unterstützung für den harten Winter organisiert werden, etwa in Form von Generatoren oder Hilfe durch das Technische Hilfswerk, schlug Gauck vor. Den Ukrainern über den Winter zu helfen, sei nicht nur Sache der Regierenden. Jetzt sei Mitmenschlichkeit gefragt.

Gauck warf Politikerinnen wie Alice Weidel von der AfD oder Sahra Wagenknecht vom BSW vor, so zu tun, als würde der Verzicht auf Unterstützung der Ukraine Frieden befördern. In Wahrheit ermutige eine solche erzeugte Schwäche den Aggressor Wladimir Putin erst. Diese angebliche Friedenspolitik sei in Wahrheit eine friedensgefährdende Politik.

Gauck besorgt über Dreiergipfel

Der Bundespräsident a.D. stellte sich gegen die Meinung, dass Europa ohne die USA hilflos ist. Europa könne sich auch ohne den großen Nato-Bündnispartner verteidigen. Nötig sei dafür eine Koalition der Willigen, die durch dieselbe Wertebasis vereint sei, sagte Gauck. Dabei verwies er neben Kanada wiederholt auch auf asiatische Länder wie Südkorea und Japan, die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gerade besucht: „Dieses Bündnis der Demokraten brauchen wir enger.“

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