Als Mutter und Geschäftsfrau hinterfragt Franca Lehfeldt die gesellschaftlichen Erwartungen an Mütter. Im t-online-Interview spricht sie über ihr Konzept von Elternschaft, über Finanzen und über das, was sich in Deutschland ändern muss.

Im April 2025 wurden Franca Lehfeldt und ihr Ehemann, Ex-FDP-Chef Christian Lindner, Eltern einer Tochter. Die Aufgaben teilen sie sich genau zur Hälfte. Vier Wochen nach der Geburt nahm die ehemalige RTL-Moderatorin wieder einen Arbeitstermin wahr. Die Kritik daran war laut.

Nun hat sie das Buch „Gute Mütter, schlechte Mütter“ veröffentlicht. Darin beschäftigt sie sich mit den gesellschaftlichen Erwartungen, Rollenbildern und Vorurteilen, mit denen Mütter in Deutschland konfrontiert werden. Für sie steht fest: Frauen müssen freier sein – und die Politik muss reagieren.

t-online: Frau Lehfeldt, wer betreut Ihre Tochter gerade?

Franca Lehfeldt: Es ist 13 Uhr, sie ist bei ihrer Tagesmutter.

Viele Eltern haben Bedenken, was Fremdbetreuung angeht. Hat Sie diese Entscheidung Überwindung gekostet?

Das erste Halbjahr haben mein Mann und ich uns die Betreuung ohne Hilfe geteilt. Ich habe mich sehr früh mit unterschiedlichen Wegen der Betreuung beschäftigt. Mit unserer individuellen Lösung, die keine Blaupause ist, fühle ich mich gut. Jeder Elternteil erlebt ja, ob das Kind positiv und offen auf eine weitere Bezugsperson reagiert. Wenn das der Fall ist, ist es ein gutes Zeichen.

Viele Mütter können zu Beginn ihr Kind nicht abgeben, weil sie stillen. Sie haben sich bewusst dagegen entschieden. Warum?

Das war meine ganz persönliche Entscheidung. Jede Frau muss ihre Wahl treffen dürfen, ich möchte keine Ratschläge geben. Ich wollte die Elternschaft teilen, auch nachts. Für mein Buch habe ich mit dem damaligen Chef der Geburtsmedizin der Charité in Berlin gesprochen. Er sagt, es komme nicht auf die weiße Flüssigkeit an, sondern auf die Interaktion mit dem Kind. In Deutschland haben wir sauberes Trinkwasser und Pre-Nahrung ist das am strengsten regulierte Lebensmittel in der EU. In meinem Buch fordere ich tragfähige Alternativen, damit Frauen eine echte Wahl haben. Hier haben wir sie, Stillen oder Fläschchen, aber die Akzeptanz fehlt.

Bei dem Thema herrscht viel gesellschaftlicher Druck. Haben Sie den auch gespürt?

Allerdings. Meine Gynäkologin sagte mir, ich müsse nicht stillen, solle es aber besser niemandem sagen. Das Thema sorge nur für Streit und Gräben. 2026 führt eine individuelle Entscheidung zu so einem Hinweis.

Franca Lehfeldt und Christian Lindner: Sie haben eine gemeinsame Tochter. (Quelle: IMAGO/James Zabel)

Im Alltag teilen Sie und Ihr Mann sich die Aufgaben 50:50. Wie sieht das konkret aus?

Es ist nicht so, dass es nie eine Herausforderung wäre. Aber es geht nicht um Perfektion, es geht um Teamwork. Und das ist Termin-Mikado, und auch ein permanentes Abstimmen und Organisieren.

Und Sie und Ihr Mann kommen damit gleichermaßen zurecht?

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