Smartphone als Gedächtnisstütze

Wie Fotos und Screenshots die Erinnerung schwächen können


03.09.2026 – 15:51 UhrLesedauer: 3 Min.

Mann mit Smartphone (Symbolbild): Das Handy ist für viele Menschen ein digitaler Speicher für Informationen. (Quelle: Milan Markovic/getty-images-bilder)

Wer Wichtiges per Foto oder Screenshot sichert, merkt es sich womöglich schlechter. Eine neue Studie erklärt, wie es dazu kommen kann.

Viele Menschen fotografieren Informationen oder machen Screenshots davon, um sich später daran zu erinnern – das Smartphone dient nicht selten als digitales Gedächtnis. Doch wer Erlebtes oder Gesehenes so festhält, merkt es sich offenbar schlechter, wie eine kürzlich in der Fachzeitschrift „Memory & Cognition“ veröffentlichte Forschungsarbeit zeigt.

Sieben Experimente mit überraschendem Ergebnis

Für die Studie haben Forscher der Binghamton University das Phänomen in sieben Experimenten untersucht. Insgesamt nahmen 892 junge Erwachsene im Alter von 17 bis 27 Jahren daran teil. Sie sahen sich auf ihrem Smartphone Kunstbilder (wie Fotografien, Gemälde und Skizzen) an. Manche sollten sie nur betrachten, andere per Screenshot speichern. Anschließend wurde geprüft, woran sie sich erinnern konnten.

Das Ergebnis war eindeutig: In allen sieben Experimenten zeigte sich bei Inhalten, die per Screenshot gesichert wurden, ein deutlicher Gedächtnisnachteil. Beim Fotografieren ist dieses Phänomen schon länger bekannt und wird als „Photo-Taking-Impairment-Effect“ bezeichnet. Die aktuelle Studie weist darauf hin, dass ein ähnlicher Effekt auch bei Screenshots auftritt – die Forscher sprechen in dem Zusammenhang von „Digital-Capture-Effect“.

Das Gehirn verlässt sich auf das Gerät

Eine mögliche Erklärung für den Effekt ist, dass der Vorgang des Aufnehmens Aufmerksamkeit abzieht. Während man auf den Auslöser drückt oder einen Screenshot erstellt, stehen möglicherweise weniger geistige Ressourcen zur Verfügung, um das Gesehene im Gedächtnis zu verankern.

Die Forscher vermuten zudem ein sogenanntes kognitives Auslagern: Weil Informationen nun scheinbar sicher auf dem Smartphone gespeichert sind, müsse man sie nicht mehr selbst behalten. Interessanterweise blieb der negative Effekt sogar bestehen, wenn die Teilnehmer wussten, dass ihre Aufnahmen unmittelbar gelöscht werden würden.

Eine weitere mögliche Erklärung: Durch das Fotografieren oder Erstellen eines Screenshots distanzieren sich Personen womöglich unbewusst ein wenig von der eigentlichen Erfahrung. Dazu passt, dass sich Teilnehmer später teils schlechter daran erinnerten, ob sie etwas fotografiert oder lediglich angesehen hatten.

Kein klarer Vorteil durch Screenshots

Die Studie prüfte auch, ob Screenshots zumindest an anderer Stelle helfen: etwa dabei, sich besser zu merken, wo eine Information gespeichert wurde, oder bei späteren Denkaufgaben (wie Rechnen oder dem Lernen weiterer Inhalte). Solche Vorteile fanden die Forscher jedoch kaum. (Nur in einem Teilversuch zeigte sich ein kleiner Nutzen, der jedoch von speziellen Bedingungen und einer großzügigen Auswertung abhing.) Auffällig war außerdem: Die Teilnehmer erinnerten sich bei Screenshots schlechter an den Kontext.

Wie Bilder trotzdem beim Erinnern helfen können

Der Befund dürfte im Alltag durchaus eine Rolle spielen – viele Menschen machen mehr Fotos, als sie tatsächlich nutzen: Schätzungen zufolge rund 20 Fotos am Tag, wobei sich auf einem durchschnittlichen Smartphone rund 2.000 Bilder befinden. Viele davon werden später kaum noch angesehen.

Fotos und Screenshots sind jedoch nicht grundsätzlich schlecht fürs Gedächtnis. Wer wenige, gezielte Aufnahmen macht und sie später bewusst wieder anschaut, kann sie als Erinnerungshilfe nutzen. Problematisch könnte dagegen sein, wenn sich unzählige Bilder und Screenshots ansammeln, die anschließend nicht mehr betrachtet werden. „Wer Bilder später nicht aktiv als Gedächtnisstütze nutzt, profitiert wahrscheinlich kaum davon“, erklärt Studienautorin Sophia Fabrizio.

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