Forscher schlagen Alarm
Ältere Paare sollten im Flugzeug nicht nebeneinander sitzen
25.04.2026 – 09:36 UhrLesedauer: 2 Min.
Wer gemeinsam reist, sitzt meist auch gern nebeneinander. Man kann sich unterhalten und fühlt sich sicher. Aber genau diese Sitzgewohnheit könnte bei älteren Menschen zum Problem werden.
Fliegen gilt statistisch als eine der sichersten Fortbewegungsarten weltweit. Kommt es dennoch zu einer Evakuierung, zählt jede Sekunde. Eine im Fachjournal „AIP Advances“ veröffentlichte Studie zeigt nun, welche Rolle dabei ältere Passagiere spielen und warum ihre Verteilung im Flugzeug entscheidend sein kann.
Mit zunehmendem Alter lässt oft die Mobilität nach. Das ist im Alltag meist kein Problem – in einer Notsituation jedoch schon. Andere Passagiere reagieren darauf zwar häufig mit Geduld und Hilfsbereitschaft. Dennoch kann ein geringeres Bewegungstempo die Abläufe an Bord verlangsamen und eine Evakuierung verzögern. Der Hintergrund ist eine klare Sicherheitsvorgabe im internationalen Luftverkehr: Im Ernstfall muss ein Flugzeug innerhalb von 90 Sekunden vollständig geräumt sein.
Das Forscherteam aus Neurowissenschaftlern, Logistikern und Ingenieuren untersuchte deshalb, wie sich der Anteil älterer Menschen auf kritische Situationen wie Evakuierungen auswirkt. Als „älter“ galten dabei Personen über 60 Jahre. Für ihre Analyse simulierten die Forschenden einen Triebwerksbrand bei einem Airbus A320, bei dem die Notausgänge über den Tragflächen nicht genutzt werden können. Mithilfe einer speziellen Simulationssoftware wurden insgesamt 27 Varianten durchgespielt. Diese unterschieden sich unter anderem in:
Auch altersbedingte Unterschiede wie Gehgeschwindigkeit oder eingeschränkte Beweglichkeit flossen in die Berechnungen ein.
Das Ergebnis fiel eindeutig aus. In keinem der simulierten Fälle konnte die vorgeschriebene Evakuierungszeit von 90 Sekunden eingehalten werden. Selbst im günstigsten Szenario dauerte es 141 Sekunden, bis alle Passagiere das Flugzeug verlassen hatten.
Bei einem höheren Anteil älterer Menschen verlängerte sich die Zeit teils auf über 200 Sekunden. Besonders problematisch war dabei eine ungleichmäßige Verteilung: Wenn sich viele ältere Passagiere in einem Bereich konzentrierten, entstanden Engpässe, die den gesamten Ablauf verzögerten.
Neben körperlichen Einschränkungen wie geringerer Beweglichkeit oder Schwierigkeiten beim schnellen Aufstehen nennen die Forschenden auch mögliche kognitive Faktoren. In Stresssituationen könnten diese zu langsameren Reaktionen oder Orientierungsproblemen führen.
Ein Ausschluss älterer Menschen vom Fliegen steht ausdrücklich nicht zur Debatte, so die Forscher in ihrer Studie. Stattdessen leiten die Autoren konkrete Maßnahmen ab. Entscheidend sei vor allem eine gleichmäßige Verteilung älterer Passagiere im Flugzeug. Sitzballungen – egal ob bewusst oder zufällig – sollten ihrer Aussage nach vermieden werden.
Die Studie stellt auch bestehende Sicherheitsregeln infrage. Viele Modelle basierten bislang auf idealisierten Annahmen, etwa, dass Passagiere schnell reagieren und sich zügig bewegen. Realistische Faktoren wie eingeschränkte Mobilität oder Stress wurden hingegen oft unterschätzt. „Angesichts einer alternden Gesellschaft könnte es daher notwendig sein, Sicherheitskonzepte anzupassen und stärker an realen Bedingungen auszurichten“, so das Forscherteam.
