„Wird die Behandlungsleitlinien verändern“

Volkskrankheit: Wirkstoff eröffnet neue Möglichkeiten


28.04.2026 – 18:00 UhrLesedauer: 3 Min.

Doppelbilder, Schwindelgefühl, Probleme beim Sprechen: Bei einem Schlaganfall kommt es typischerweise schlagartig zu neurologischen Ausfällen.

Schlaganfall: Dabei verstopft ein Blutgerinnsel ein Gefäß im Gehirn. (Quelle: mr.suphachai praserdumrongchai/getty-images-bilder)

Ein Schlaganfall verändert das Leben – auch, weil das Risiko für einen weiteren Hirninfarkt erhöht bleibt. Ein neuer Wirkstoff soll genau hier ansetzen.

Wer einen Schlaganfall erleidet, lebt oft mit der Angst vor einem weiteren. Und tatsächlich ist dieses Risiko recht hoch: In Deutschland erleidet etwa jeder vierte bis fünfte Betroffene trotz Behandlung in den darauffolgenden Jahren erneut einen Schlaganfall.

Eine internationale Studie zeigt nun: Asundexian ist der erste Wirkstoff, der gezielt einen bestimmten Gerinnungsfaktor hemmt und so das Schlaganfallrisiko reduzieren könnte, ohne das Blutungsrisiko zu erhöhen. Letzteres ist eine der schwerwiegendsten Komplikationen der bisherigen Schlaganfallprävention. Die Ergebnisse wurden kürzlich im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

Für die Studie werteten die Forscherinnen und Forscher Daten von mehr als 12.000 Patientinnen und Patienten aus 37 Ländern aus. Alle Teilnehmer hatten zuvor einen sogenannten ischämischen Schlaganfall erlitten. Dabei verstopft ein Blutgerinnsel ein Gefäß im Gehirn. Auch Menschen mit einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) nahmen teil – das ist eine kurzzeitige Durchblutungsstörung im Gehirn, oft als „Mini-Schlaganfall“ bezeichnet.

Bislang bestand die sogenannte Sekundärprophylaxe bei Schlaganfällen darin, Betroffene mit Thrombozytenaggregationshemmern zu behandeln (sie verhindern, dass Blutplättchen verklumpen) und Risikofaktoren wie Blutdruck, Blutzucker oder Cholesterin zu kontrollieren. Diese Therapie gilt allerdings nur als mäßig wirksam und kann vor allem bei längerer Anwendung das Blutungsrisiko erhöhen.

Auch die Neurologin Richa Sharma von der Yale School of Medicine (USA), die nicht an der Studie beteiligt war, weist im Branchenmagazin TCTMD auf die bisherigen Lücken der Therapie hin: „Wir stehen oft vor der Herausforderung, die Thrombozytenaggregationshemmung länger fortzusetzen, als es die Leitlinien vorsehen und bisher erprobt haben.“ Sie hoffe daher auf neue Möglichkeiten, Blutgerinnsel bei Schlaganfallpatienten zu vermeiden, ohne das Risiko von Blutungen einzugehen.

In der neuen Studie wurde zusätzlich zur Standardbehandlung der Wirkstoff Asundexian getestet. Dieser hemmt sehr gezielt den Gerinnungsfaktor Xla, der für die Bildung gefährlicher Blutgerinnsel verantwortlich ist. Der Vorteil: Dieser Faktor ist für die normale Blutungsstillung, etwa bei einer Verletzung, weniger wichtig. Das Medikament soll also das Schlaganfallrisiko senken, ohne dabei die allgemeine Blutungsgefahr zu erhöhen.

Für die Studie erhielten alle Studienteilnehmer eine Standardtherapie mit Thrombozytenaggregationshemmern. Zusätzlich bekam eine Gruppe ab dem dritten Tag nach dem Schlaganfall täglich 50 Milligramm Asundexian, die andere ein Placebo. Die Probanden wurden über zwei Jahre hinweg beobachtet.

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